Land der mangelnden Medienkompetenz

Eine deutsche Zeitung (Hinweise erbeten, habe das Zitat nicht mehr gefunden) hat einst geschrieben, Österreich sei das einzige europäische Land ohne nennenswerte Tageszeitung. Zu ergänzen ist: Österreich ist auch in der Medienkompetenz der breiten Öffentlichkeit noch lange nicht im 21. Jahrhundert angekommen: Zeitungskonsum auf Leberkäs-Semmerl-Niveau allüberall, und sowohl von Rezipienten- als auch von Medienmacher-Seite herrscht eine undurchdringliche Ignoranz gegenüber den Entwicklungen bei den neuen Medien (wo man, dementsprechend, ein gutes Jahrzehnt hinterherhinkt). Berichterstattung auf dem notwendigen Niveau über die wirklichen Medienfragen von heute (ja, da gehts um das WWW, den veränderten Medienkonsum, die Aufgaben und Chancen von Tageszeitungen und TV im Online-Zeitalter) muss man mit der Lupe suchen, und die Ahnungslosigkeit blüht ungehindert. Man liest im dumpfen Schweigen allmorgendlich, was vor der Haustür liegt.

Und so kommt es, dass – während international allüberall die Studenten der Medienwissenschaften als künftige Meinungsführer gesehen werden, die einen immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig vorantreiben werden – die heimischen Publizistik-Studenten als Schmarotzer, Titel-Erschleicher und künftige Arbeitslose diffamiert werden. Nein, ich habe nicht Publizistik studiert, und ja, an der Uni gibt es dort einige Probleme.

Dennoch: Die “disdain for knowledge, education, experience”, die die New York Times in einem Kommentar Sarah Palin zuschreibt, der Österreicher gegenüber dem Mediensektor ist erschütternd. Liebe Maturanten, lasst euch nicht abschrecken – geht Publizistik studieren, kommuniziert mit Technikern und Medienmenschen und bringt, bitte, irgendwann auch Österreich ins Licht der Medienwelt des 21. Jahrhunderts: Helft dabei, aus Boulevard-Süchtigen aktive Nachrichten-Suchende zu machen, schafft die Hörigkeit nach den immergleichen Meinungs-Medien aus der Welt, die in Familien vererbt werden wie Philharmoniker-Abos, und macht den Menschen klar: Gesunder Medienkonsum ist lebensnotwendig – und Kompetenzen darin, wie man an ausgewogene Information kommt, um sich in der Welt zurechtzufinden, werden immer wichtiger werden.

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