Games für jene, die zu sehr Snob sind zum Computerspielen

Das Gute am Kinogehen ist, dass man nicht nur unterhalten wird, sondern danach auch gescheite Sachen sagen kann. Kaum jemand zweifelt noch an, dass (zumindest gewisse) Filme Hochkultur sind. Wenn Computerspiele wirklich mit dem Medium Film als ernst genommenes kulturelles Produkt konkurrieren wollen, dann müssen sie daher den Spieler auf hohem Niveau und vielen Ebenen – emotional, ästhetisch und auch hirnmäßig  – fordern. Mal abgesehen von den Simulationsspielen (Civilization, Sim City etc), die schon vom Prinzip her an die Intelligenz appellieren, haben nur wenige Games das bisher in vollem Umfang geschafft. Dazu zähle ich:

  • Planescape: Torment“: Alt, aber von unübertroffener narrativer Tiefe. AD&D-Rollenspiel über den passend benannten Hauptcharakter Nameless One, der zwar unsterblich ist, aber keine Erinnerung daran hat, wer er ist. Seine Reise in die eigene Biografie zeigt nach und nach, dass er das Gegenteil eines Helden war. Moralische Ambivalenz, die keine falsche Heldenhaftigkeit aufkommen lässt, berührend, intelligente Dialoge, fantastisches Finale.
  • Infocom-Adventures: Noch älter, mindestens genausogut. Leider ausgestorbene Form des völlig grafikfreien Computerspielens, bei der der Spieler gleichsam in ein interaktives Buch eintaucht und über Texteingaben das Fortschreiten beeinflusst. Klassiker der Klassiker: “The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy“, eines der witzigsten Spiele bisher. Heutzutage perfekt für Handys mit Volltastatur.
  • Eve Online“: Intelligenzherausforderung selbst für den arrogantesten Gscheiti. MMORPG, das die wohl steilste Lernkurve aller Spiele hat, die ich kenne: Wer das hochkomplexe Wirtschaftssystem des aus Island stammenden Spieles mal verstanden hat, wird dafür mit einem außergewöhnlichen Ansatz für Online-Games belohnt. Die Entwickler haben mit Soziologen und Wirtschaftsexperten zusammengearbeitet (Info via 3sat), die Spieler müssen sich ihre eigene Nische im Handelsystem suchen und Diplomatie betreiben. Soetwas wie der große, schöne Bruder des Uralt-Klassikers “Elite“.

Ergänzungen folgen und sind auch als Kommentar herzlich willkommen – potenzielle Kandidaten, die ich nicht gespielt habe, gibt es genug.

7 Comments

  1. ich hab immer nur “prince of persia” gespielt, zu einer zeit, wo ich noch einen fremden pc benutzen musste. anno 1993 hab ich damit aufgehört. freu mich über die vermittlung eines leicht zu bedienenden “einsteiger-spiels”, um deine euphorie teilen zu können.

  2. Aber haben Computerspiele über den “Umweg” Kino schon längst ihren Weg in die Kultur gefunden?
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_films_based_on_video_games

  3. apaley says:

    mir gehts mehr um Computerspiele als eigene Kulturgattung, die ich durchaus als vielen anderen kulturellen Werken ebenbürtig sehe. Werd noch genauer drauf eingehen. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Was ist daran “kultureller”, wenn mir James Bond anschaue als eine gepflegte Zivilisation zu erschaffen oder ein kooperatives Raid in einem Onlinegame? Werde mal versuchen, das auf den Punkt zu bringen.

  4. Gnurp says:

    “…das hochkomplexe Wirtschaftssystem des aus Island stammenden Spieles…” – der Satz hat auch irgendwie seine Glaubwürdigkeit verloren…

  5. apaley says:

    Sagma mal so: Viel realer als “Eve Online” ist das isländische Wirtschaftssystem offenbar auch nicht gewesen… bei “Eve Online” verliert man wenigstens nicht seine echten Ersparnisse!

  6. Was ich auch interessant fände/finde, ist die Tatsache, dass viele “alte” Spiele nun auf Handy, PDAs ein Revival feiern. Hier dürfte der Spielwitz doch wichtiger sein, als die tolle Grafik, über die sich heutzutage viele Spiele verkaufen.
    Selbiges mit den Online-Flashspielen wie (Vector) Tower Defence et al. Wesentlich unterhaltsamer als viele PC/Konsolenspiele. Oder ist es auch ein Zeichen der Zeit, das “casual games” beliebter sind als jene, in die man viel Zeit investieren muss? Wie erklärt sich dann aber der Erfolg von WOW, einem Spiel, das die jetztigen 12+ Jährigen prägt?

  7. apaley says:

    Jau, ich glaube es passiert folgendes: Alte Männer wie wir ;-) setzen auf Spielspaß und sind immer noch milde davon fasziniert und nostalgisch bewegt, dass die ganzen Superspiele von früher jetzt auf diesen kleinen Computerdingis funktionieren (bald gibt es mit ein bisschen Glück Planescape Torment für mein Internettablet!)… aber richtig Zeit zum Spielen haben wir nicht mehr. Die, die mehr Zeit haben, sind die Kids von heute, und die sind halt Grafik-Junkies. Ich glaube aber, es gibt einen Markt zwischen Casual Games und jenen Spielen, für die man Nächte hinter dem Computer hocken muss. BTW: Anarchy Online find ich immer noch schön, das ist für ein Online-Spiel sehr ausgewogen, auch wenn man nicht dauernd zockt, und in der Grundausstattung gratis zu spielen.