Liebe Musikindustrie: Yes, somebody else can

Während seit Jahren die Musikindustrie jammert, dass ihr die Verkäufe wegbrechen, hat eine andere Unterhaltungsform offenbar keine Probleme mit der Kundschaft der Marktentwicklung: Und das, obwohl schon in den guten alten 80er Jahren Computerspiele heftig raubkopiert wurden. Liebe Musikindustrie, was macht ihr falsch? Über die Misere beim Online-Musikmarkt braucht nichts mehr gesagt werden. Nur ein Apercu:

Die CD-Verkäufe, die als Vergleichswert für die derzeitigen Rückgänge gelten, waren immer größer als der tatsächliche Musikmarkt. Ja, wir alle haben uns unsere alten Lieblingsplatten auf CD nochmal gekauft. Das hat gute Verkaufszahlen suggeriert, die es nie wieder geben wird – noch einen Medienwechsel spielen die finanzstarken erwachsenen Musikfans nicht mit. Und mittlerweile schnallen auch die Kids, wie sie sich ihre Lieblingsmusik als Klingelton aufs Handy holen, ohne dafür Wucherpreise zu bezahlen. Die Musikverkäufe gehen nun auf ein realistisches Maß zurück. Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Ein Outing noch: Ich halte Computerspiele für Kultur. Auch Ballerspiele. Was fehlt? Ein Haufen Intellektueller, die ein paar Gescheitheiten über Games sagen, so wie die Filme in den 60er Jahren plötzlich das Liebkind der Intellektuellen waren. Ein paar Jahrzehnte später darf nun ein Gutteil der Studenten irgendeine Diplomarbeit über Film schreiben.

Prognose: In 20 Jahren gibt’s die Game-Viennale, und dort laufen genauso viele Vielschwätzer rum wie bei den derzeitigen Filmfestivals.

4 Comments

  1. So “happy” ist die Spiele-Industrie auch nicht. Z.B. EA mit Spore: http://www.techcrunch.com/2008/09/14/spore-and-the-great-drm-backlash/

  2. apaley says:

    Ja, stimmt, “Spore” ist ein gutes Beispiel, wie man einen Hype killen kann! Trotzdem würd ich im Moment lieber eine Game-Firma leiten als ein Plattenlabel…

  3. apaley says:

    Ach geh, ein bisschen Hire & Fire schreckt mich nicht ab – spanned find ich, dass der Gamesmarkt in Rezessionen sogar wachsen sollte (http://www.dfcint.com/wp/?p=222), weil die Spiele pro Stunde gerechnet eine billige Entertainmentform sind… Wenn ich mal durchrechne, was mich Civilization 3 pro Spielstunde gekostet hat, komm ich auf einen sehr, sehr kleinen Centbetrag ;)