January, 2009:

“Fallout 3” ist ein großartiges Game – weil es depressiv macht

“Wired” weist richtig darauf hin: “Fallout 3” ist genau deswegen ein großartiges Spiel, weil es depressiv macht. “Many such games thrill me, but very few make me sad. That’s precisely what Fallout 3 achieved”, heißt es in der Rezension. Und damit wird ein wichtiger Punkt angesprochen: Viele Games unterfordern die emotionale Bandbreite von denjenigen, die mehr im Hirn haben als Ballern und Schnellfahren. Wenn sich das mal ändert, dann werden Computerspiele wohl endgültig als das gesehen, was sie sind: Kultur.

Tipps für den Buch-Entzug – und Amazon-Bashing

Hier gibt es ein paar nette (und durchaus einfach selber herauszufindende) Möglichkeiten dafür, wie man seine Buchsammlung verkleinert. Nur einer lässt sich nicht so leicht erfüllen: Bücher online zu verkaufen. Zumindest bei Amazon. Denn man sollte nicht glauben, dass es (trotz offener Grenzen, EU-Mitgliedschaft, Nachbarlandigkeit) möglich ist, als Österreicher über das deutsche Amazon Marketplace Bücher zu verkaufen. Eine Antwort auf meine diesbezügliche Anfrage vom Amazon-Kundendienst: “Leider können wir derzeit unseren Zahlungsservice Amazon Payments nur für Verkäufer mit einer deutschen Bankverbindung”anbieten”.

Schön finde ich die Begründung: “[…] da sich noch kein einheitlicher internationaler Standard bei der Kontoüberprüfung, die Ihrer Sicherheit dient, etabliert hat”. heißt das

a) dass deutsche Konten sicherer sind als andere? (haha)

b) dass österreichische Banken nicht vertrauenswürdig sind? (würde sagen – nicht weniger oder mehr vertrauenswürdig als all die anderen kollabierenden Banken allüberall)

c) Kontoüberprüfung, die “ihrer Sicherheit dient” – aber Citibank und Co bieten sichere Konten?

Die Chuzpe vom Tag: “Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Einrichtung eines deutschen Kontos in Betracht ziehen könnten, damit auch Sie von Amazon Payments profitieren können, und wir Sie bald als Anbieter bei Amazon.de Marketplace begrüßen dürfen.” – Bitte wie komme ich dazu?

Naja, nachdem ich wegen Renitenz auch bei Ebay schon lebenslang gesperrt bin, verkauf ich halt auch nix über Amazon.

Flatrate für jede Art von Content

Viele Diskussionen auf der Musikmesse MIDEM in Cannes drehten sich um Finanzierung von Musik – von der Flatrate bis zu neuen, lukrativen Zugeständnissen an das Interesse der Fans, sich ihrem Star zu nähern.

Was fehlt? Das Bewusstsein, dass es in der Diskussion um Gratis-Online-Content und dessen künftiger Finanzierung nicht darum geht, eine Musiksuppe, eine News-Suppe, eine TV-Suppe zu kochen. Sondern dass immer klarer wird: Es wird nichts an einer möglichst verteilungsgerechten Pauschale für allen Online-Content herumführen.

Es geht nicht mehr darum, dem Musikbusiness Einnahmen zu verschaffen. Sondern ein altes System in eine zeitgemäße neue Form umzuwandeln.

Ich glaube: Man kann und sollte die Ergebnisse von qualitativem Journalismus, teuer produzierter Unterhaltung (Hollywood, HBO etc) und Popkultur frei kopierbar und zugänglich machen. Aber man sollte erkennen, dass dies für die Gesamtgesellschaft unbedingt notwendige Elemente sind. Und daher sollten alle gemeinsam sich finanziell beteiligen. Die Werbung darf ruhig bei massentauglichen weiter mitfinanzieren.

Riecht nach Steuer? Stimmt. Aber wenn ich schon Steuern für Bundesheer, sinnlose Straßentunnel, Pimperl-Fachhochschul-Studiengänge und viele andere Dinge, von denen ich nie irgendeinen Nutzen haben werde, zahle, dann wüsste ich lieber, dass mein Geld in gescheite Dinge investiert wird.

Nur: Es darf auf keinen Fall direkt der Staat sein, über den ein pauschal funktionierendes Content-Bezahlsystem läuft. Was wäre etwa mit einem System a la Last.fm – anonymisierte Daten der Mediennutzung, die auf möglichst vielen Computern erhoben werden und zu einem möglichst genauem Bild führen, welche Songs gehört, welche News-Items gelesen werden? Und dann anteilige Verteilung von zwei Dritteln des pauschal eingenommenen Geldes (auf Leermedien, Sat-Schüsseln, Internetzugänge, Radios, Fernseher) nach diesen Kriterien. Der Rest wird in Erstellungsförderungen (Fonds für junge Musiker, Journalistenausbildung, Preise, Stipendien) investiert.

Dem widersprechen: Datenschutzbedenken.

Werbung, wie sie mir Spaß macht

Neulich, auf der Musikmesse MIDEM: Werbematerial aushändigende Menschen mit weißen Overalls und der Aufschrift “It’s all about the sound”. Und was bekam man dann von denen in die Hand gedrückt?

Ohrstaberln.

Viel zu wenig beachtet: Wie IT das Leben für behinderte Menschen erleichtert

Was in der IT-Berichterstattung zwischen glitzernden Gadgets und oberflächlichem Hype-Mitschwimmen viel zu wenig gewürdigt wird: Wie IT-Entwicklungen konstant Barrieren für behinderte Menschen abbauen. Hier passiert eine stille Revolution, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient, etwa wie u.a. das Web die Mediensituation für Gehörlose verändert hat und welche spannenden Innovationen das Leben für blinde Menschen erleichtern (werden).

Vorsatz für 2009: Dieses Thema verstärkt aufgreifen.