February, 2009:

Hysterie pur: Filmdownloads als Argument gegen Breitbandausbau

Illegales Downloaden im Internet verursacht den Klimawandel, die sexuelle Revolution und die Explosion der Sonne – könnte man meinen, wenn man die aufgeregte und (von allen Seiten) wenig zielführend geführte  Diskussion über Urheberrecht und das Internet verfolgt. Neu ist mir, dass illegales Kopieren auch als Grund dafür herangezogen wird, dass der Breitbandausbau in Europa großteils so erbärmlich ist.

Vivendi Frankreich hat da den Vogel abgeschossen: “Fiber serves no purpose”, sagt der Finanzchef des französischen Konzerens in einem Bericht der Herald Tribune, der sich mit dem Ausbau von Breitbandnetzen als Gegen-Investition zur Finanzkrise beschäftigt. “All that it does is to encourage the illegal downloading of films.”

Also bei allem Verständnis für Rechteinhaber – da wird’s dann lächerlich. Wer glaubt, einen berstenden Damm mit Pflaster reparieren zu können, wird schnell überflutet. Bitte, liebe Filmindustrie, macht nicht den selben Blödsinn wie das Musikbusiness.

Im übrigen glaube ich, dass nur eine Pauschallizenz auf Online-Kulturkonsum eine tragende Lösung ist. Breitbandzugang muss selbstverständlich wie die Versorgung mit Wasser und Strom werden, heißt es immer. Dann aber bitte auch die selbe Abrechnung: Billige (!) Grund-Netzkosten, und eine Gebühr für den Verbrauch. Bei Wasser, Strom und Gas ist klar, was genutzt wird. Im Internet sind es zu einem näher zu bestimmenden Anteil eben Kulturprodukte. Und dass das bezahlt werden muss, ist eigentlich selbstverständlich.

Amazon’s Guide to the Galaxy

Der bisher beste Grund, einen Amazon Kindle zu wollen!

(via Martin)

Unbedingte Empfehlung: Soap&Skin

Musik aus Österreich, wie sie sein sollte: Soap&Skin (“Lovetune for Vacuum”) ist grenzgängerisch, intensiv, emotional. Albumpräsentation: 6.3., brut (Künstlerhaus). Unbedingt anhören.

Live so ungefiltert wie hinreißend.

http://www.myspace.com/soapandskin

[Video removed from YouTube]

Welt ohne Presse – Auf die Online-Community wartet ein Monty-Python-Moment

“Was haben uns die Römer gebracht?” An diese Monty Python-Szene aus “Das Leben des Brian” erinnert mich die so selbstgerechte wie kurzsichtige Kritik von Bloggern und Twitterern an den den alten Medienkolossen. Natürlich geht manchmal manches schief in den Agenturmeldungen, natürlich entwickeln sich große TV-Stationen zuweilen zu unbeweglichen Medien-Tankern, natürlich gibt es mittlerweile schnellere und bürgernähere Dienste.

Aber jetzt, wo die textbasierten Medien in Existenz bedrohende Situationen kommen und “Eine Welt ohne Presse” durchaus in den Bereich des möglichen rückt, sollte man sich diese Frage neu stellen: Was haben die Zeitungen (egal ob gedruckt oder online) uns gebracht? Die Antwort: Einen unverzichtbaren und nicht ersetzbaren gesellschaftlichen Kontrollmechanismus. Den Stoff, über den andere bloggen und twittern. Und vor allem: Die Macht und die finanzielle und ressourcenmäßige Ausstattung, mit denen man langwierige, heikle Recherchen bestreiten kann.

Es ist höchste Zeit dafür, dass die Onlinecommunity sich nicht mehr wie der Retter der Welt vor den Old Media aufspielt. Besserwissen ist leicht, zu leicht. Aber geprügelt wird das Falsche: Medien und die neuen Formen des sozialen Journalismus ziehen am gleichen Strang, und beide haben eigene Stärken. Das zu sehen benötigt gar nicht so viel Verständnis für das Mediensystem.

Medien als unabhängige Stiftungen – Denkanstoß zur Werbungskrise

Warum eigentlich sollte eine so wichtige wie notwendige Säule der Gesellschaft von Werbung abhängig sein? Nein, damit ist nicht die Polizei gemeint (die ja auch keine Werbung an der Uniform tragen muss), und auch keine Verpflichtung für Abgeordnete, wie die heimischen Sportler Firmenlogos auf dem Anzugrevers zu tragen.

Sondern die Medien, (zumindest in vielen Ländern) Kontrollinstanz der Mächtigen und mit verfassungsmäßigen Rechten ausgestattet. Die New York Times veröffentlichte jüngst einen Denkansatz, der sowohl das Zeitungssterben aufhalten als auch die Medien vom Gängelband der Politik (Medienförderung als Gnade) und der Wirtschafts-Versager (die jetzt draufkommen, dass sie sich Werbung nicht mehr leisten können) unabhängig machen könnte:

Demnach sollen Medien in unabhängige Stiftungen umgewandelt werden. Diese Stiftungen sollen einmal mit genügend Geld ausgestattet werden, dass der Betrieb (plus Zinsen zum Inflationsausgleich und für finanziellen Spielraum) gesichert ist und dann völlig unabhängig agieren. Ein faszinierender Ansatz, mit ein paar Problemen.

Das Geld sollte in Zeiten des milliardenschweren Bailouts von unfähigen Bankmanagern ja aufzutreiben sein, bedenkt man, dass für die riesige New York Times-Redaktion laut Berechnung 5 Mrd. Dollar Stiftungsbudget ausreichen. Problematischer wird es dann bei der Kontrollinstanz (wer überprüft, ob die Medien ihre Aufgabe erfüllen) und bei der Auswahl jener Medien, die es “verdienen”, durch die Überführung in einer Stiftung in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen zu werden.

Doch lässt sich das wohl lösen. Ich bin dafür – Medien müssen die Mächtigen überwachen. Aber Geld verdienen müssen sie eigentlich ebensowenig wie Exekutive und Legislative.

Es gibt keine Zeitungskrise

Bei aller Betroffenheit von den Schwierigkeiten, in denen sich auch hochwertige internationale Zeitungen im Umfeld der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Online-Konsumation von Nachrichten befinden – eines darf nicht vergessen werden: Es gibt keine Zeitungskrise, sondern eine Werbungskrise.

Die lieben Werbemenschen haben lange Jahrzehnte Anzeigen in Printmedien geschalten, ohne zu wissen, wer diese wie lange anschaut. “In the absence of hard data on how many people actually saw an ad in predigital times, advertisers were willing to give print media the benefit of the doubt. That’s no longer the case”, schreibt die International Herald Tribune.

Aber eigentlich heißt das: Das Werbesystem an und für sich hat jahrzehntelang nicht funktioniert. Dass derzeit die Gelder aus den Printmedien abgezogen werden, heißt nicht, dass diese schlechtere Werbeträger sind als früher. Und auch nicht, dass TV und Webseiten bessere Werbeträger sind. Sondern einzig, dass online und im TV die Konsumenten viel besser überwacht werden können.

Ein Grund mehr, Zeitungen auf Papier zu lesen.

Meet me at the Bahamas!

Zwei Sachen stoßen mir auf an der etwas hysterischen Berichterstattung zu Googles Location-Ortungsdienst Latitude: Erstens kümmert sich hierzulande mal wieder scheinbar niemand um eine fundierte Recherche – nur weil es nun Google macht, ist das Privacy-Problem mit Ortungsdiensten ja nicht eben neu.

Und ich bin mir zweitens sicher, dass in irgendeiner Garage gerade eine Software geschrieben wird, mit der man die Ortungsdaten beliebig festlegen können wird. Also – keine Energien verschwenden mit Alarmgeschrei. Sondern wenn Mama oder der Boss Latitude andrehen wollen, hinauszögern, bis das dazugehörige Override-Tool fertig ist (zumindest, wenn man schon alt genug dafür ist). Und dann als derzeitige Location “Bahamas” angeben. Oder “The Dark Side Of The Moon”.

Und wenn irgendwelche “Freunde” darauf bestehen, dass sie wissen, wo man  ist – Freundschaft canceln.