Medien als unabhängige Stiftungen – Denkanstoß zur Werbungskrise

Warum eigentlich sollte eine so wichtige wie notwendige Säule der Gesellschaft von Werbung abhängig sein? Nein, damit ist nicht die Polizei gemeint (die ja auch keine Werbung an der Uniform tragen muss), und auch keine Verpflichtung für Abgeordnete, wie die heimischen Sportler Firmenlogos auf dem Anzugrevers zu tragen.

Sondern die Medien, (zumindest in vielen Ländern) Kontrollinstanz der Mächtigen und mit verfassungsmäßigen Rechten ausgestattet. Die New York Times veröffentlichte jüngst einen Denkansatz, der sowohl das Zeitungssterben aufhalten als auch die Medien vom Gängelband der Politik (Medienförderung als Gnade) und der Wirtschafts-Versager (die jetzt draufkommen, dass sie sich Werbung nicht mehr leisten können) unabhängig machen könnte:

Demnach sollen Medien in unabhängige Stiftungen umgewandelt werden. Diese Stiftungen sollen einmal mit genügend Geld ausgestattet werden, dass der Betrieb (plus Zinsen zum Inflationsausgleich und für finanziellen Spielraum) gesichert ist und dann völlig unabhängig agieren. Ein faszinierender Ansatz, mit ein paar Problemen.

Das Geld sollte in Zeiten des milliardenschweren Bailouts von unfähigen Bankmanagern ja aufzutreiben sein, bedenkt man, dass für die riesige New York Times-Redaktion laut Berechnung 5 Mrd. Dollar Stiftungsbudget ausreichen. Problematischer wird es dann bei der Kontrollinstanz (wer überprüft, ob die Medien ihre Aufgabe erfüllen) und bei der Auswahl jener Medien, die es “verdienen”, durch die Überführung in einer Stiftung in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen zu werden.

Doch lässt sich das wohl lösen. Ich bin dafür – Medien müssen die Mächtigen überwachen. Aber Geld verdienen müssen sie eigentlich ebensowenig wie Exekutive und Legislative.

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