March, 2009:

Ich zahle gerne mit Daten

Obwohl die Privacy-Diskussionen durchaus spannend sind, bin ich recht hemmungslos, was meine Datenweitergabe angeht. Das “Google Analytics”-Cookie wird zwar gelöscht, sobald es auf meinem Computer landet, aber ob Social Websites meinen Musikgeschmack kennen, die Schule, die ich besucht habe, und was für Bücher ich gerne lese, ist mir wurscht. Was sollen sie tun – mich mit Cyberpunk-Literatur erschlagen? Mit Darkstep-Musik foltern? Mit Werbung beschicken? Letzteres wäre ja wirklich sehr ungewöhnlich.

Mal sehen, ob sich das noch ändert, und was für schlechte Erfahrungen man als Österreicher (ich denke, Amis sind da wirklich gefährdeter) machen kann, wenn man recht frei mit seinen Daten umgeht. Wenn nichts anderes, so gibt das zumindest ein paar gute Geschichten.

Eins noch: Warum sollten Arbeitgeber nichts über die Partygewohnheiten potenzieller Mitarbeiter wissen – wenn ein wichtiger Teil vieler Jobs und der Karriereleiter nichts anderes ist, als mit irgendwelchen Vorgesetzten bzw. Kunden gepflegt Alkohol zu trinken? Wer wirklich so weltfremd ist, jemanden nicht einzustellen, weil es von ihm Suff-Fotos auf Facebook gibt, ist soundso nicht eben ein zeitgemäßer Arbeitgeber, sondern bigott.

Ich zahle mit Daten, nicht mit Euro

Abschiednehmen heißt es derzeit für mich von Last.fm, jenem Social Music-Dienst, der neben Wikipedia die wohl am meisten von mir genützte Web 2.0-Site wurde. Ab Dienstag wird nämlich das bisher gratis verwendbare Streaming-Service kostenpflichtig (außer in den USA, UK und Deutschland). Und obwohl ich heavy user war, werde ich nach einiger Überlegung diesen Schritt nicht mitgehen.

Dabei geht es weniger um jene 3 Euro, die das Service zukünftig im Monat kosten soll. Ich bin nicht kindisch oder ideologisch genug, um zu glauben, dass alles immer gratis sein muss.

Sondern es geht darum, dass die Betreiber schon bisher einiges von mir bekommen haben – und zwar die Daten darüber, was ich mir so anhöre. “Diese Daten helfen Last.fm dabei, Musik zu organisieren und an unsere Benutzer weiterzuempfehlen”, heißt es dazu in der FAQ. In Zukunft soll ich also meine Daten weiter an Last.fm geben, um Musik-Empfehlungen zu ermöglichen und auch zu bekommen, erhalte dafür aber im Austausch nicht mehr die Möglichkeit, Musik zu konsumieren. Und das ist dann doch leider ein schlechter Deal. Überzeugt vom Nutzen des Systems bin ich immer noch. Aber am Business Model müssen die nun ohne mich feilen.

Nachtrag: Last.fm hat die Umstellung auf kostenpflichtig nun verschoben – also auch ich den Abschied.

Nachtrag: Ich bin auch… kaffeesüchtig

Danke für den richtigen und wichtigen Hinweis :)

Die virtuelle Welt als Vorbild für die reale

Nicht die virtuellen Welten sollen immer realitätsnaher werden – sondern die reale Welt soll sich gefälligst an die virtuellen anpassen, schreibt Edward Castronova in seinem Buch “Exodus to the Virtual World”. Denn die virtuellen Welten werden, wenn die technische Entwicklung voranschreitet, bald leichter zu bekommenden, billigeren und schnelleren “fun” bieten als die echte. “Simple economic theory predicts that in this competition, the real world is going to lose. […] In short, the real world will have to become more fun”, so Castronova.

Schon jetzt ist zumindest in einem Spiel die Online-Welt der realen voraus: In “Dream of Mirror Online” können gleichgeschlechtliche Paare nun heiraten. Dass ein buntes Animations-Onlinegame das der realen Welt in Österreich vormachen muss, ist ganz schön peinlich.

Und die schöne Quote zur unnötigen Killerspiel-Diskussion: “Games are Happiness Engines”.

Ich bin: arbeitssüchtig, schlafsüchtig, lesesüchtig

“Die Zeit” war auch schon mal progressiver und hat Stereotypen etwas intensiver hinterfragt: “Sechs bis sieben Stunden verbringen 15-Jährige am Tag vor Bildschirmen – anderthalb Stunden davon mit Computerspielen. Da bleibt kaum noch Zeit für das “echte” Leben”, heißt es in einem Artikel, der gleicheinmal mit “Die Sucht der Stubenhocker” betitelt ist. Und so ziemlich jede Denkfalle mitspielt, die in diesem Bereich lauern (nur die mit den Gewaltspielen nicht, soviel sei lobend erwähnt).

In meiner Schulzeit waren die Psychologuiestudentinnen in der Schule unterwegs und haben uns aufgeregt erklärt, dass wir fernsehsüchtig sind (ich habe ihnen schon damals nicht gesagt, dass ich mehr Zeit hinter dem Computer verbringe ;)… Jetzt schauen die Kids halt weniger fern und sind lieber aktiv am Computer als sich passiv berieseln zu lassen. Aber süchtig sind sie natürlich trotzdem…

14.300 Computersüchtige Kids soll es laut “Zeit” in Deutschland geben, und diese “Sucht” wird gleich mit Drogen und Alkohol in einen Topf geworfen. Die Kriterien? “Sie können selbst dann nicht aufhören, wenn sie erkennen, dass ihnen das Spielen schadet: Freunde werden vernachlässigt, in der Schule kommen sie nicht mehr mit oder es fehlt ihnen die Zeit für anderes”, heißt es in dem Artikel.

Also nach diesen Kriterien bin ich: Arbeitssüchtig (weit mehr als 7 Stunden am Tag, und manchmal kann ich nicht aufhören, auch wenn ich dafür anderes vernachlässige), schlafsüchtig (muss ich jeden Tag zwanghaft machen, sonst bekomme ich körperliche Entzugserscheinungen) und lesesüchtig (selbes Argument).

Von der “Zeit” hätte ich, ganz ehrlich, mehr erwartet als die unreflektierte Wiedergabe von offenbar einseitigen Studien. Vor allem die Gamer wieder als kontaktscheu hinzustellen, ist vergleichsweise einfältig.

Österreich Geschichte Kultur Prominente Lotterien Musik Literatur Mozart Beethoven Wissenschaft Computer Popkultur Hollywood Skandal Paris Hilton

Keine Angst – der Titel soll nur möglichst viele Stichwörter liefern, damit irgendjemand in Zukunft im Archiv des “österreichischen Webs”, das die Österreichische Nationalbibliothek ab sofort anlegt, auf diesen Blogpost kommt.  Denn eines möchte ich den Menschen aus der Zukunft gerne sagen:

Ich bin neidig auf den coolen technischen Schnickschnack, den ihr verwenden könnt! Ich will auch Specs und Augmented Reality! Und alle Gadgets sollen schnell sein… und überall soll W-Lan (halt die Zukunftsversion) sein…

Surftabletten

Nicht ganz klar ist mir die Affektion vieler zu den Netbooks (darf man jetzt nicht mehr sagen, ich weiß, ist mir aber wurscht)… Also wenn ich ein kleines Tool zum Surfen haben will, dann sollte das a) wirklich ein kleines Tool sein, und b) anders sein als ein Laptop.

Wenn ich ein Gerät aufklappen muss, um dann vor Bildschirm und Tastatur zu sitzen, dann nehm ich doch gleich einen vollwertigen Laptop – was ist daran so viel besser wenn der ein wenig kleiner ist, dafür deutlich weniger kann?

Ich jedenfalls sehe die Zukunft in kleinen Surf-Tablets, mit Schiebe-Tastatur, ein bisschen größer als ein Handy und wirklich tragbar (in der Jeanstasche). Damit im Bett oder unterwegs zu surfen ist wirklich Freizeit. Komisch nur, dass man mit dieser Sicht fast alleine ist.

Richtig schön finde ich: