Computergames brauchen Erwachsenen-taugliche Bezahlmöglichkeiten

Nein, damit meine ich nicht, dass man Computerspiele auf Kredit kaufen soll. Sondern, dass die Game-Schmieden bei der Preisgestaltung ganz offenbar nur jene Jugendlichen im Visier haben, die wirklich viel Zeit zum Spielen haben. Aber wer diese Zeit aus Altersgründen nicht mehr hat, steigt in zweierlei Hinsicht schlecht aus:

Bei Online-Games ist das Verhältnis von monatlicher Gebühr zu Spielzeit weit schlechter als bei den Kids – für fünf Stunden spielen 15 Euro im Monat zu zahlen ist was anderes als für 50 Stunden. Und bei umfangreichen Nicht-Online-Rollenspielen zahlt man 50 Euro für 50 Stunden potenzielles Gameplay- als arbeitender Mensch mit Privatleben sieht man davon aber höchstens einen Bruchteil.

Ja, eh sind die Casual Games genau für diese Gelegenheitsspieler, zu dem man mit fortschreitendem Alter wird, gedacht. Aber: Die meisten Casual-Games sind eher für Leute, die keine wirklichen Gamer sind – bunt, kurz unterhaltsam, aber keineswegs vollwertige Spiele, soetwas wie das Vormittags-Fernsehprogramm der Computergames. Aber es müsste mittlerweile eine große Gruppe an Mitt-Zwanzigern bis Mitt-Vierzigern geben, die in ihrer Jugend viel Zeit mit Computerspielen verbracht haben, daher für seichte Games nicht zu haben sind, aber andererseits auch keine 50 Stunden in ein Rollenspiel investieren können, da sie Beziehung, Arbeit, weitere Interessen und noch keine senile Bettflucht haben.

Ich glaube, dass Game-Firmen insgesamt mehr Geld machen würden, wenn sie zusätzlich zu den derzeitigen Bezahlsystemen

  • bei Offline-Rollenspielen wie “Fallout 3” die Engine plus rund 5-8 Stunden Spielzeit für 20 oder 25 Euro verkaufen und
  • man dann zusätzliche Spielzeit (also Quests etc) als Zusatzmodul erwerben kann, für je 5 oder 8 Euro 5 bis 8 Stunden. Wer also den Grundpack durchhat, kann sich eine weitere Quest kaufen (Hauptquest teurer, Nebenquests billiger), und daran weiterspielen, bis er es durch hat. Und die Zeit dazu kann man sich selbst einteilen.
  • und bei Online-Games verschiedene Abo-Modelle anbieten, in etwa: Das “normale” Abo ohne Spielzeitlimit für 10-15 Euro im Monat, dann “pay per hour”, “pay per day”, “pay per quest”, “pay per level”. Überschlagsmäßig würde ich bei realistischer Einschätzung der möglichen monatlichen Spielzeit besser aussteigen, wenn die Stunde weniger als 90 Cent kostet (mehr als zehn Stunden im Monat komme ich selten zum Spielen), oder ein Tag weniger als zwei Euro, ein Level-Gewinn für meinen Rollenspiel-Avatar vier Euro etc.

Das muss doch möglich sein. Expansion-Packs zu vollwertigen Games wie “Fallout 3” sind zwar nett, aber wer ohnehin keine Chance hat, das ursprüngliche Spiel jemals durchzuspielen, wird diese Packs nicht kaufen, und es ist auch weniger wahrscheinlich, dass man 50-60 Euro für ein Game hinblättert, das man nur anspielen kann. Und bevor ich monatliche Gebühren zahle, die ich nicht ausnütze, abonniere ich kein Online-Game.

Wie auch im Popmusik-Business ist es bei den Computergames mittlerweile ein schwerer Fehler, nur die Unter-20-Jährigen bedienen zu wollen. Die haben zwar mehr Zeit zum Spielen. Aber wir Alten haben dafür mehr Geld.

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