Update: Abschied vom Schleppen machte vieles leichter – leider auch die Texte

In einem akuten Anfall von Unlust, Papierstapel mit mir rumzuschleppen, habe ich mich vor einiger Zeit vom Papierbuch abgewandt, um nur noch elektronisch verfügbare Texte zu lesen. Zeit für ein Resümee:

Die Textverfügbarkeit für E-Book-Reader ist bei deutschsprachigen Büchern nach wie vor katastrophal, zumindest wenn man keinen Zugriff auf den Kindle hat (über Amazons Angebot an E-Books kann ich aus mangelnder Erfahrung wenig sagen). Insbesondere das, womit man wirklich Geld machen könnte (wie uns die Musikindustrie mit dem Mediums-Wechsel auf die CD und den folgenden Rekordeinnahmen gezeigt hat), fehlt komplett: Eine vernünftige Aufarbeitung des “Backkataloges”. Wer mehr für’s Hirn braucht als Bestseller, ist verloren: Literarische Klassiker des 20. Jahrhunderts, die noch Copyright-geschützt sind, sind ebensowenig erhältlich wie etwa brauchbare Philosophie und jede Art von geisteswissenschaftlicher Primärliteratur des 20. Jahrhunderts. Klingt nach Minderheitenprogramm, ist es aber meiner Einschätzung nach nicht: Auch im Musikbereich verkaufen sich die “Must Haves” gut. Der Schwenk hin zu E-Books hat meine Tasche leichter gemacht, aber leider auch die Texte, die mir zur Verfügung stehen, weniger anspruchsvoll.

Offene Wünsche gibt es auch noch bei der Hardware, etwa bei jenem Reader, den ich ausführlich testen konnte. Amazon hat sich mit dem im Kindle integrierten Mobilfunkvertrag den Weg ins Roaming-affine Europa verbaut. Ein E-Book-Reader, der sowohl zeitgemäße Prozessorleistung als auch Basics wie RSS-Reader und die von mir sehnlichst erwartete Möglichkeit für modulare Zeitungsabonnements bietet, ist derzeit nicht zu haben. Leider.

Gelesen habe ich daher nicht auf einem E-Ink-Schirm, sondern auf einem normalen hintergrundbeleuchteten Bildschirm eines portablen Gerätes, was ich persönlich auch nicht so schlimm finde. Ein offenes Problem ist nach wie vor der Formatkrieg (das mit dem DRM wird sich schon von selbst lösen) – ich habe E-Books in vier Formaten gekauft, eines davon ist schon wieder unlesbar auf meinem Gerät geworden.

Anderseits: Beim Auflesen der englischsprachigen Klassiker und auch für einige Schmankerln der zeitgenössischen Geek-Literatur, die alle gratis zu bekommen sind, hab ich mir sicher ein paar Dutzend Euro gespart (im Vergleich zum Kauf auf Papier).

Derzeitiges Fazit: Es gibt eine einfache Antwort auf die hier leider völlig missformulierte Frage: Es geht nicht darum, ob man noch Bücher lesen muss. Wer beim ausschließlichen Konsum von Info-Bissen aus dem Online-Bereich nicht eine gewisse Kopfleere fühlt, dem werden Bücher nicht abgehen. Es ist aber eine völlig andere Frage, wie man Bücher lesen muss. Und derzeit muss man, leider, einige noch auf Papier lesen.

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