Fremdschämen gibt’s gratis: Online-Content darf etwas kosten

Okay, okay, “fremdschämen” zu sagen ist auch schon lange wieder Grund für selbiges. Dennoch: Ein besseres Wort gibt es nicht für jenes Gefühl, das mich im immer skurriler werdenden Online-Diskurs um Gratisinhalte im Netz beschleicht.

Denn wenn man die beiderseitige Propaganda beiseite räumt, die in der Diskussion freihändig und mit peinlicher Selbstgerechtigkeit versprüht wird, bleibt eine Frage für mich völlig ungeklärt (und auch eigentlich auffällig unbeachtet): Was denn eigentlich so schlimm daran ist, für Information zu zahlen?

5 Dollar im Monat – das ist jener Betrag, den die New York Times laut Bloomberg offenbar als Gebühr für ihren Online-Auftritt einführen will. Und schon geht das Geheule wieder los, das sich um freien Informationsfluss, Zensur und ähnliche Schlagworte wickelt, die durch die unreflektierte Anwendung nicht eben an Gewicht gewinnen.

Doch halt, Überraschung: Wenn man genau hinsieht, gibt es auch eine Staunen machend große Anzahl an Blogs, die der Idee der New York Times zustimmen. Auch von mir gibt es völlige Zustimmung zu den Plänen der Zeitung – und darüber hinaus auch zum NiemanJournalismLab, das (mit vielen anderen Webites, die einen wortidenten Text veröffentlichen) die richtige Forderung aufwirft: Der Zugang sollte nicht gratis und nicht billiger, sondern teurer sein als 5 Dollar. Denn das ist absurd wenig.

5 Dollar gibt man für einen Kaffee bei einer US-Kette aus, für ein Zehntel eines Autotanks, ein Burger-Menü oder auch ein Packerl Tschick (glaub ich zumindest, bin rauchfrei). Aber wenige sind bereit, das im Monat (!) in die eigene Sicht der Welt zu investieren – immerhin das, was einen als Mensch, Weltbürger, Nicht-Vollidiot auszeichnet.

Und nein, wenn Information kostenpflichtig ist, hat das nichts mit Zensur zu tun. Zensur macht es unmöglich, an gewisse Informationen heranzukommen, Informationsfreiheit ist im Gegenteil dazu das Recht, sich jede Information zu holen. Aber mit Kosten hat das nichts zu tun, ganz im Gegenteil: Zensur hat geschichtlich immer mehr jene Informationsquellen (Zeitungen, Verlage) getroffen, die ihre Produkte gegen Geld weitergegeben haben. It goes to show: Dort kommt auch die wirklich wertvolle Info her, und nicht aus der Gerüchteküche.

One Comment

  1. Und wenn ich mehr als eine Quelle lesen möchte? 5 Dollar mal X ist nicht mehr sooo lustig.

    Wäre dann nicht eine Flatrate a la GIS-Gebühr “geschickter”?