January, 2010:

MIDEM in Cannes: Musik im digitalen Zeitalter

Also, bei der MIDEM in Cannes kann man der Musikbranche wirklich nicht mehr den Vorwurf machen, das Internet nur als Bedrohung zu sehen: Hier dreht sich so gut wie alles um die neuen Chancen des Digitalen. Zumindest steht’s so im Programm, in wenigen Minuten geht’s los.

Einen Schritt weiter ist man heuer jedenfalls auf die Onlinewelt zugegangen: Im Gegensatz zum Vorjahr gibt’s heuer auch während der Vorträge freies WIFI. Danke, liebe Musikindustrie!

Was auch 2010 fehlt: Ein Betriebssystem, das jeder bedienen kann

Die Energie, mit der über die respektiven Vorzüge von Windows, Linux und MacOS gestritten wird, sollte lieber in etwas anderes gesteckt werden: In ein neues Betriebssystem, das wirklich jeder bedienen kann.

Kürzlich habe ich wieder deutlich vorgeführt bekommen, da braucht man nur Menschen über 50 Jahre vor einen Computer setzen: Alle drei genannten Betriebssysteme (und auch die erhältlichen Alternativen) sind einfach grottenschlecht und gehen absurd weit an den Bedürfnissen der User vorbei. Ja, die User sind unerträglich unfähig und zeitweise auch, scheint’s, absichtlich verbohrt.

Aber jetzt mal ehrlich – wie schwer kann es eigentlich sein, dass man eine Benutzeroberfläche erstellt, die problemlos zu bedienen ist, und dann auch noch fehlerfrei das macht, wofür sie da ist? Dazu muss man mit einigen Binsenweisheiten aufräumen: Benutzer wollen weniger Einfluss auf das System, nicht mehr, weniger Entscheidungen treffen, weniger Veränderungen, weniger Funktionen, weniger Fehlermöglichkeiten.

Auch wenn es einem bei diesen Vorstellungen die Zehennägel aufrollt: Es wird nach einem Vierteljahrhundert Fenster-basierter Betriebssystem mal Zeit, dass etwas Brauchbares auf den Markt kommt, etwas, wofür man keine Auskenner braucht, um es wie einen Intensivstations-Patienten, der immer knapp vor dem Exitus steht, durch das Drücken obskurer Knöpfchen am Leben zu halten.

Hierfür notwendig:

– Keine Fragen! Wer einen neuen Laptop aufdreht, wird über Wochen mit Fragen bombadiert, die völlig sinnfrei sind. Testversion-Verlängerungen, Firewall-Schutz, Java-Aktualisierungen, Bloatware – was diese aufpoppenden Fenster eigentlich sollen, ist ohne Computer-Vorbildung völlig unverständlich. Und eigentlich ist das auch völlig unnötig: Es sollte zumindest die Option geben, einem Computer zu sagen, dass er sich seinen Dreck selber überlegen soll. Auch wenn das alle möglichen Nachteile hat, es braucht einen “Don’t bug the user!”-Modus in Windows. Von mir aus so, dass sich das Ding seine Fragen merkt und beim Login als Admin dann gesammelt stellt.

– Keine blöden Meldungen! “Nicht identifziertes Netzwerk”, meldet Windows 7 beim Versuch, online zu gehen. WTF? Der Computer weiß zu diesem Punkt: Er ist per Kabel mit einem Router verbunden. Wie schwer ist es da, derartige Nonsens-Meldungen zu unterlassen und sich einfach mit dem Router zu verbinden? Ohne Fragen, ohne rote Kreuzerln im Netzwerk-Symbol, ohne Kryptisches wie “Künftige Netzwerke als öffentlich definieren?” zu vermelden. Problem war dann im Endeffekt eine ungültige Proxyeinstellung bei den Internetoptionen. Auch darauf sollte ein Betriebssystem einfach von selber kommen. Betriebssystem sollten viel weniger Entscheidungen den Usern überlassen, auch wenn das die Auskenner nervt.

– Nachdem mich mein Vista per Countdown erpresst hat, den Computer herunterzufahren, ohne Option auf Abbruch (ja, manchmal muss man arbeiten, und da ist ein Windows Update weniger wichtig), bin ich auf Ubuntu umgestiegen. Nett, schnell installiert. Aber als Computer-Ungebildeter ist auch Ubuntu völlig ungeeignet. Warum hat man zwei Paketmanagement-Optionen zugleich? Warum muss man bereits beim Mounten eines Netzlaufwerkes in die Kommandozeile? Warum sind manche Programme nach dem Entpacken zwar lauffähig, aber nicht installiert? Die Frage, ob Linux oder Windows besser ist, ist falsch gestellt – sie kann nur lauten, welches weniger nervt. Derzeit: Ubuntu, mal sehen.

– Auch das vielgerühmte Mac-OS ist eigentlich unbrauchbar. Obwohl ich ja doch Hoffnung pflege, dass das Apple-Tablet neue Wege geht: Es wird Zeit für Computer, die sich nach den Usern richten, und nicht umgekehrt. Und wenn man diese dafür noch so sehr nach unten korrigieren muss.

Happy New Year

Als besseren Ersatz für das Neujahrskonzert: