Warum können PCs nicht sein wie… Rollenspiele

Nicht erst seit dem Blogpost der New York Times ist es ein hübscher Volkssport geworden,die Bedienbarkeit von PCs mit jener von iPhone, Mac OS oder auch einem Toaster zu vergleichen. Meine 2 Cent: Ein Betriebssystem der Zukunft für Arbeits- bzw. Privat-PCs (im Gegensatz zu Medienkonsum-Maschinen wie iPad, Netbooks, etc) sollte sein wie ein Rollenspiel. Und ich hielte es für eine Selbstverständlichkeit, dass Betriebssysteme endlich lernen, mit ihren Usern umzugehen, nicht umgekehrt.

Gemeint ist damit: User sollten anfangs nichts tun dürfen, das sie nicht verstehen, und sich erst nach und nach das Recht dazu erwerben, abstraktere Dinge mit dem Computer anzustellen. Und, ebenso wichtig: Das Betriebssystem sollte aktiv je nach Skillset nur jene Optionen anbieten, die der User meinen könnte.

Also kein komplizierter Formwandelzauber anfangs, sondern eher nur Kerzenanzünden mit Feuer-Spell. Oder, auf den Computer umgelegt: Wer Level 1 hat und das Partitions-Tool von Windows 7 aufruft, sollte nicht am Ende (nach allerlei magischen Vorgängen) mit einer 100 MB-Partition enden, die vor der Systempartition liegt und in die dann originellerweise auch noch versucht wird, hineinzubooten. Gerade eben erst gesehen, und es war kein Spaß das zu richten.

Die Frage bleibt: Wieso funktioniert das überhaupt? Welcher Anwender kann das jemals brauchen? Diese Option sollte erst bei Level 150 auftauchen. (Und übrigens: Dass das BIOS dann beim Booten zwar penetrant melden kann, dass der Bootmanager fehlt, aber nicht gleich ein kleines Tool gestartet wird, das selbiges Problem behebt, ist ein Witz.)

Ich plädiere für einen Character Sheet für jeden User, den man bei Computermigrationen mitnimmt (der also idealerweise irgendwo in der Cloud gespeichert wird). Der sich nach und nach nach oben hin adaptiert und damit immer mehr Optionen freischaltet. Die superguten Computerauskenner dürfen natürlich gleich alles. Ein derartiges System sollte idealerweise auch nichts mit der Benutzerverwaltung bei Windows und Linux zu tun haben. Denn es geht nicht darum, DAUs zu fragen, ob sie etwas jetzt wirklich machen wollen. Darauf haben die meisten keine Antwort, weil sie schlicht die Frage nicht verstehen. Sondern es geht darum, unterstützend und pädagogisch an den User angepasst das Betriebssystem für alle auf deren höchsten Niveau verwendbar zu machen.

Eine extreme Peinlichkeit für die ganze Branche ist übrigens das Unvermögen, auf den User zuzugehen. Ja, zugestanden: Viele Menschen sind unerträglich denkfaul und stur. Dennoch: Betriebssysteme sind eine Serviceeinrichtung und haben sich an den User anzupassen. Wenn dieser zehnmal das Netzwerktool in der Systemsteuerung aufruft, dann sollte das Betriebssystem fähig sein zu erkennen: Es gibt ein Netzwerkproblem, das der User offensichtlich nicht beheben kann. Wie schwer kann es sein, dass das Betriebssystem dann selbstätig erkennt, was das Problem ist? Bei einem Bekannten war kürzlich im Browser ein Proxy eingestellt, der ins Nichts führte. Niemand kann mir sagen, dass nach einem Vierteljahrhundert Entwicklungszeit Windows 7 einen nicht genau darauf hinweisen könnte.

Der Rollenspielcharakter von Betriebssystemen hätte übrigens noch einen Vorteil: Es würde Motivation geben, sich zu verbessern und sich mit Kollegen/Mitschülern/Pensionistenclubmitgliedern zu vergleichen. Etwa: “Ich darf schon 100 Mb-Partitionen erstellen, wann und wo ich will. Aber ich bin zu gescheit es zu tun.”

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