Das Internet macht dumm… und klug

Was der Menschheit fehlt: Ein Wiki für Streitthemen, die alle paar Jahre wieder groß diskutiert werden und eigentlich schon längst geklärt sein müssten. Da könnte man dann etwa eintragen: Nein, die nächste Generation ist nicht dümmer/lauter/ungehobelter/unbelesener als die vorige; nein, vor (Zeitpunkt-20 Jahren) war nicht alles besser. Und nein, neue Medienformen machen nicht dümmer als alte.

Stating the obvious: Das Internet macht dumm. Da braucht man sich gar nicht drüber aufregen, wie es kürzlich die Twittergemeinschaft in selbstgerechter Empörung während einer Fernsehdiskussion getan hat (ernsthaft, Leute: das war eine Fernsehdiskussion, wen kümmert das?) Eine Woche Urlaub vom Datenstrom haben mir wieder klar gemacht: Im sozialen Online-Leben schüttet sich mit Stumpfsinn zu, hört unerträglich kleingeistigem Brustselbstgeklopfe zu, wird eingeengt von den Grenzen in den Köpfen der anderen.

Stating the obvious: Das Internet macht klug. Man kann den Wissenszuwachs, die Inspiration, den Lerneffekt der andauernden Auseinandersetzung mit Inhalten gar nicht überschätzen. Das merkt man in einer Woche Urlaub vom Datenstrom: Da kann man eben nicht mal schnell was nachschauen, und dann weiß man es eben nicht.

Wie man über derartige Offensichtlichkeiten so ausdauernd diskutieren kann, bleibt mir ein Rätsel, bzw. nein eigentlich nicht. Es ist dieselbe Mischung aus pubertärem Minderwertigkeitsgefühl und peinlichem Standesdünkel, die in allen Mediendiskussionen bisher vorherrschte.

Das Internet reiht sich nahtlos in die lange Liste an Medien ein, bei denen es genauso binär ist: Fernsehen macht dumm, sagten uns damals in den 80ern aufgeregt die Psychologen. Jetzt ist das Fernsehen mit den Konsumenten mitgealtert und macht plötzlich weniger dumm als das Internet, weil die 50plus-Generation es halt schon so gewöhnt ist. Bücher machen klug, keine Frage – zumindest manche. Das Ausmaß an strunzdummen Machwerken, die dennoch gelesen werden, ist genauso unermesslich. Zeitungen können ein Weltbild ausdifferenzieren und für Frischluft im Kopf sorgen. Die meisten wählen aber jene, die das nicht tun.

Was eigentlich gefragt sein sollte: Wie wird man mündiger Medienkonsument? Der wichtigste Ansatz: Nicht immer nur Bestätigung der eigenen Vorurteile suchen. Das Wertvolle ist die andere Meinung. Solange die nicht strunzdumm ist.

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