Die Medienlücke 2.0

Ein kleiner Tipp zur Unterhaltung: Bei Mediengeschichten über IT-Themen immer “Handy” statt dem derzeitigen Schlagwort (Facebook, Google, Twitter…) einsetzen – und die absurden Ergebnisse genießen. An der Lächerlichkeit und Biederheit, die die Beitrags-Themen dann gleich bekommen, merkt man schnell: Der allergrößte Teil stellt die völlig falschen Fragen und erzählt die völlig falschen Geschichten.

Trotzdem mache ich mir eigentlich keine Sorgen um den Journalismus, auch nicht angesichts der geballten Ladung Unsinn, die derzeit über die Zukunft der Branche kursiert. Denn es gibt eine ganz eindeutige Marktlücke.

Der Crowd Journalismus auf Twitter und Co ist im konstanten Kommentarmodus gefangen und hat daraus kein Entkommen: Wer nicht polarisiert, wird ignoriert. Also gut geeignet für Boulevard 2.0. Hingegen: Gefühlte 99,9 Prozent der News, die mir über Twitter bekannt werden und die mich wirklich interessieren, verweisen auf Old Media-Webseiten.

Aber die gemeinte Marktlücke ist eine andere: Wir Journalisten (insbesondere die heimischen) müssen an der Verführungskraft arbeiten, die gut erzählte, originelle Geschichten haben. Deswegen ärgert mich das eingangs erwähnte Phänomen so: Wenn Stories entweder so bieder, banal und übersimpel erzählt werden, wie man sonst nur mit der leicht dementen Oma redet, oder man andererseits zwischen den Zeilen davon bedrängt wird, dass der Autor die Welt permanent auf sein kleines Experten-Ego reduziert, dann schafft sich die Medienlandschaft selbst ab. Und es ist dann auch kaum schade darum.

Wenn wirkliche Medien aber Geschichten über die digitale Welt von Heute erzählen, klingt das ganz anders. Dann steht die Geschichte im Vordergrund, wird der Leser mitgenommen und ihm klar gemacht, warum es ihn etwa interessieren sollte, dass die Parallel-Strukturen von Facebook ein Problem sein könnten.

Auf den Punkt gebracht: Es geht längst nicht mehr darum, einen staunenden Reporter-Blick des Unwissens auf unverständliche neue Welten zu werfen. Und ebensowenig darum, der größte unter den Auskenner-Zwergen zu sein. Es geht um die Basics des Journalismus: Geschichte so zu erzählen, dass sie verstanden werden und berühren. Und genau darin muss Journalismus nichts mit dem Zusatz “2.0”, nichts “Soziales” und keine Werbungskrise fürchten.

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