June, 2010:

Internetdefensive

Da darf man sich gar keine Illusionen machen; Österreich hat sich in unguter stillschweigender Übereinstimmung von Politik und Lobbys für Strukturbewahrung statt Strukturwandel entschieden. Das ist insofern schade, als die Chancen, die Weichen für die kommenden Jahrzehnte neu zu stellen, gerade enden.

Paradebeispiel: Die einstige Internetoffensive. Die bisherige Halbherzigkeit, mit der die Bekenntnise zur digitalen Gegenwart über die Politikerlippen kamen, ist endgültig einer ablehnenden, desinteressierten, verkrampften Wurschtigkeit gewichen. Unwissen gepaart mit Ignoranz und Selbstbelügung: Willkommen im Land der Internetdefensive.

Das Digitale erleidet ironischerweise das selbe Schicksal wie die Kultur in Österreich: es wird nur dort gepflegt und ernst genommen, wo es bestehenden Strukturen – insbesondere dem Tourismus – nützt. Zimmerbuchung und Wetterdienst statt Innovation. Der Rest wird missträuisch beäugt, höchstens toleriert oder auch schnell mal als Spinnerei abgetan.

Die Bequemlichkeit diktiert: Österreich bleibt das Land der Wirte und der Hotelklötze, das Land der Tourismusabhängigkeit und der aufgesetzten Gastfreundlichkeit. Das Land der förderabhängigen Bauern und der hochpreisigen Restindustrie.

Und ein Land, das noch nichteinmal in der Gegenwart angekommen ist. Geschweigedenn der Zukunft.