Ein sexy Titel: Strukturprobleme

Jaja, ich weiß: “Strukturprobleme” klingt nach eingeschlafenen Füßen. Wer dennoch zu Ende liest, kriegt ein Zuckerl!

Hierarchische Strukturen haben ein Lag-Problem: Rund zwei Jahrzehnte nach der entscheidenden persönlichen Prägung (zumeist im Alter von 15 bis 25 Jahren) kommen die Menschen in Führungspositionen. Und dann versuchen sie die Welt so zu formen, wie es ihnen gut scheint: Nach einem 20 Jahre alten Maßstab, der den Aufgaben übergestülpt wird.

Heißt was?

Heißt: Die Politik verwaltet eine Welt, die es nicht mehr gibt. Die meisten Medien berichten über eine Welt, die es nicht mehr gibt. In der Schule lernt man über eine Welt, die es nicht mehr gibt. Die Leute bilden sich eine Meinung über eine Welt, die es nicht mehr gibt.

Heißt auch: Die Politik hat keine Ahnung von den Problemen, die es derzeit gibt. Und schon gar nicht von jenen, die in Zukunft drohen. Viele Medien stellen die falschen Fragen an die Gegenwart. Schüler können mit Schulwissen wenig anfangen. Und die Menschen bleiben ihr ganzes Leben lang in ihren Vorurteilen gefangen, und wählen Politiker, die geistig ebenso veraltete Einbahnstraßen einschlagen wie sie selber.

Heißt weiters: Pffff.

Jetzt kommen gleich die Twitteranten einher und sagen, wir wenigstens sind am Puls der Zeit, wir bilden die Welt so ab, wie sie jetzt ist. Dazu ein herzhaftes: Na und? Darum geht es nicht.

Sondern darum, wie man die Institutionen so durchlässig machen könnte, dass der Lag auf dem Weg zur Führungsposition minimiert wird. Es müssen die richtigen Menschen innerhalb der Institutionen gefördert werden, jene, die geistig im Heute leben.

Über Twitter schafft man das nicht. Siehe #unibrennt.

2 Comments

  1. anamewouldbeinsufficentthisisnotaname says:

    alles richtig. das prob ist wohl, dass der einzige faktor, der besserung brächte – die politik – selbst zu einer kopflosen vereinsmeierei für hysterisch agierenden bequemlichkeitserhalt wurde. Der aus Dummheit resultierende zwischenmenschliche Zustand ohne jeden empathischen Funken und potential auf echten fortschritt bleibt aufrecht.

  2. stratphil says:

    Georg, die alte Welt, die gibt es noch. Aber sie ist nur mehr ein kleiner Teil der Gesamtwelt, und ihr Anteil schrumpft rasch und immer rascher. Nun leben die meisten einflussreichen und finanzstarken Menschen unseres Landes nach wie vor in dieser alten Welt, und krallen sich an ihr fest, als ginge es um ihr Leben. Und darum geht es ja auch, denn wo sollen sie denn leben, wenn die Welt verloren ist, untergangen ist. In der neuen Welt fühlen Sie sich sicher nicht mehr wohl, schließlich reden wir hier von Österreichern… Und so setzen sie alles daran, das sinkende Schiff noch irgendwie ein paar Stunden mehr über Wasser zu halten, auch wenn das langfristig alles noch viel schlimmer macht…