April, 2011:

Medien-Utopie (1) – Reboot

Klischee: Journalisten schreiben gerne in abgelutschten Metaphern. Also, hier eine von mir: Das mit der Medienrevolution ist ein zweischneidiges Schwert (brrrr). Eh sind wir nicht mehr zeitgemäße Dinosaurier, aussterben, Evolution, Gratisinternet, Social Media, blabla.

Nur: Schade ist es halt um die wohlerkämpfte Pressefreiheit. Die hat nämlich nicht so viel mit der allgemeinen Meinungsfreiheit zu tun. Sondern mit rechtlichem Schutz vor den Großkopferten, die unliebsame Aufdecker etc. gerne mundtot machen. Wo jeder Blogger in die Knie geht, haben Zeitungen etc. doch noch mehr Handhabe gegen gerichtliche Versuche der Mundtotmachung. Und diese Pressefreiheit lässt sich nicht so leicht auf die heutige Medienlandschaft ausweiten.

Sie ist damit soetwas wie der traurige Zwilling des Urheberrechts: Eine veraltete Rechtsstruktur, deren Anwendung sich an allen Ecken und Enden nicht mehr wirklich ausgeht. Im Gegensatz zum Urheberrecht wär es aber um die Pressefreiheit schad. Ein Kollateralschaden der selbstertwitterten Pseudo-Mündigkeit, wenn alle Zeitungen mal eingegangen sind und sich auch anderswo mit der bedrohten Spezies Qualitätsjournalismus nicht genug Geld machen lässt, um große Institutionen zu erhalten. Das tut mir im Herz weh.

Egal. Aber hier mal ein ungewöhnlicher Ansatz von mir: Ich verschreibe mich hiermit in einer losen Serie der Medien-Utopie. Thema: Wie würden Medien ausschauen, wenn sie sich nicht in der derzeitigen Devolutions-Spirale neu erfinden müssten, sondern jetzt gerade entstehen würden, ganz ohne die bisherigen Ausformungen zu beachten. Wenn quasi die Medienlandschaft einen Reboot machen würde.

Ein erster Gedanke: Es braucht eine rechtlich geschützte Form der Äußerung für Content-Ersteller, eine Art Leo für Kontroversielles, wo Klagen oder auch gezielter Druck von Mächtigen abprallt. Der Preis, der vom Content-Ersteller für dieses Gütesiegel zu zahlen ist, darf aber nicht trivial sein. Ich denke da etwa an den Einsatz von mühsam erarbeitetem sozialen Kapital (Reputation), das man für die Geschichte einsetzen muss (wie Chips im Casino) und dessen Verlust schmerzhaft ist. Vielleicht ein Kampf um limitierte Slots auf hoch reputierten Medien-Portalen: Wer wiederholt auf gute Geschichten setzt bzw. diese selber erstellt, bekommt eine Aufmacher-Story.

Ein Problem: Blogger haben, wenn sie Glück haben, einmal alle heiligen Zeiten eine wirklich gute Story. Mhm.