October, 2011:

Einspruch: Ein Foul in der Bildungsdebatte

Zugegeben, bei all’ dem Uni- und Studenten-Bashing kann man schon mal den Überblick verlieren. Dennoch erstaunt mich, dass sich die Studenten, ja überhaupt alle jungen Leute permanent und widerspruchslos ein Foul gefallen lassen, das derzeit immer wieder hinterrücks über die Bande gespielt und dann mit voller Wucht an ihnen verübt wird: Denn der Bildungsdebatte inhärent ist eine kontinuierliche Beleidung der derzeit jungen Generation. Und zwar von jenen, die ihr Rederecht eigentlich verwirkt haben sollten.

Es lässt sich summieren als die ewige alte Leier: das Niveau der heutigen Studenten sinkt und es studieren viele, die es nicht sollten, weil sie nicht gescheit genug sind. Das ist kurz gefasst der Subtext von Eingangsprüfungen und anderen Auslesesystemen für Studenten, die als Allheilmittel der Unimisere dargestellt werden. Darauf noch ein bisschen reaktionären Nonsens gegen Computer-Sucht gepackt, und wenn man als Intellektueller völlig daneben ist, konstantiert man schlussendlich noch einen Geburtenüberschuss bei den Dummen und kommt zum Ergebnis: das intellektuelle Niveau Österreichs wird immer schlechter.

Wie wir Briten sagen: Bollocks.

Liebe junge Menschen, lasst euch doch nicht so beleidigen. Sondern fragt zurück: Wo, bitte, sind denn die ganzen Super-Intellektuellen der Generation 60+? Damals, als die studierten, gab es noch Studiengebühren. Ergo muss damals an den Unis alles in Ordnung gewesen sein. Und? Wo sind in Österreich die wegweisenden Denker? Wo die Ausnahme-Politiker? Wo die kultivierten Bürger? Wo die moralischen Instanzen? Wo selbst die Facharbeiter? Mit welchem Recht sagt jene Generation der Österreicher, die dieses Land gegen die Wand gefahren hat, den heutigen Jungen, dass sie dumm sind?

Lasst euch nichts sagen. Ignoriert die ideologischen Scheingefechte um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Studiert nicht nur das, was am Arbeitsmarkt verwertbar ist. Denn die Unis sind keine Stätte der Berufsausbildung, dafür sind – mehr recht als schlecht – die FHs da.

Und die Unis haben kein Budgetproblem. Sondern die Politik hat ein Problem mit dem Unibudget. Es gibt kein Naturgesetz und keine EU-Richtlinie, die verhindern, dass die Unis das Geld vom Staat kriegen, das sie brauchen. So, wie das Bundesheer, der Verwaltungsapparat und die Schulen. Das wäre sofort herzustellen. Wenn, ja wenn die Unis von der Politik als lebensnotwendig für Österreich erkannt würden. Nur das spielt’s halt nicht. Denn das Wohlergehen der Unis ist nicht nötig für das Wohlergehen irgendeiner Partei.

Warum ich gegen die Haushaltsabgabe, aber für eine pauschale Rechtevergütung bin

Ja, ich weiß eh: die Haushaltsabgabe wird kommen, egal, wie sehr ich mich aufrege. Schätzungsweise nach dem Wahljahr 2013 werden wir keine GIS-Gebühr mehr zahlen. Sondern pro Haushalt fürs Fernsehen zur Kassa gebeten werden. Das hat nur einen Sinn: Leute wie mich zu melken.

Hab ich schon mal erwähnt, dass ich keine Fernsehgebühr zahle? Obwohl ich einen Fernseher habe? Ja, das geht, kein Empfang möglich, weil alter Fernseher und SAT ohne ORF-Karte. Die GIS war extrem freundlich und professionell dabei. (Lustig ist, dass man zwar kein Fernsehentgelt, aber eine “Fernsehgebühr” von 1,16 Euro zahlt. Irgendwie lol.)

Jedenfalls: Da könnten ja noch mehr Leute draufkommen. Etwa jetzt, beim notwendigen Smartcard-Tausch. Denn was passiert, wenn man einfach keine neue holt (und keinen DVB-Empfänger hat)? Nicht viel. ORF kann man halt nicht schauen. Oje! Oder man schaut DVDs und anderen (Festplatten- und Online-)Content am Monitor via Media Player-Kastl und verzichtet auf den Fernseher. Auch das: Schlecht für den ORF. Beziehungsweise für die Argumentation für Gebühren. Ich glaube auch, dass das Pay-TV-Urteil aus GB wegweisend für die Gebührenfrage werden könnte.

Voila: Enter Haushaltsabgabe. Die – siehe Deutschland –  hängt nicht mehr am Fernseher bzw. an der Empfangsmöglichkeit von TV-Programm. Irgendwer im ORF ist draufgekommen, dass das vielleicht irgendwann doch überholt ist. Schließlich bemüht sich der ORF ja auch seit Jahren, das Programm online zu bringen. Derzeit machen sie eine Machbarkeitsstudie, ob man TV-Programm streamen kann. Ernsthaft! 2011.

Jedenfalls Nummer 2: Haushaltsabgabe fürs Fernsehen wird kommen. Ich wiederhole: Fürs Fernsehen. Und das ist extrem ärgerlich.  Mir ist wurscht, ob die privaten TV-Sender dann was davon kriegen oder nicht. Ich bin dagegen. Denn der ORF hat im September 2011 genau noch 34,1 Prozent Marktanteil in Österreich. 34,1!

Das ist fast nur noch ein Drittel der österreichischen Haushalte. Und zahlen sollen alle österreichischen Haushalte. Das ist absurd. 34,1 Prozent. Jetzt ernsthaft!

Und ich wette hiermit öffentlich: Damit hat der ORF weniger Marktanteil als Online-Medien. Aber das passt nicht in die Köpfe der Politiker hinein. Die glauben: Fernsehen=wahlentscheidende Medienplattform=wichtig. Ich sage dazu: Schmecks. Das hat vor 10 Jahren noch gestimmt, jetzt gilt es nur noch für die Parteien, die die Pensionisten zum Überleben brauche. Nur die Politiker wissen noch nicht, dass sich die Medienwelt gerade völlig ändert.

Ich bin für ORF-Pay-Per-View, und sonst soll mich das in Ruhe lassen. Nicht, weil ich mir zu geizig bin. Sondern weil Fernsehen jetzt 40 Jahre lang das Leitmedium war, und so lange war es gut und wichtig, dass es öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegeben hat. Das ist nun zu Ende.

Umso wichtiger ist, dass sich jemand was anderes überlegt: Nämlich, wie man einen fairen Deal zwischen Konsumenten und Medienproduzenten erzielt. Ich will hochklassigen Online-Content schauen können und denen, die den erstellen, etwas zahlen, ohne dass ich mich groß drum kümmern muss. Für mich zählt etwa US-Fernsehen mittlerweile zum Online-Content, den ich im Original schauen können will, zeitnah zur dortigen Ausstrahlung. Und ich will, verdammt nochmal, dafür bezahlen können.

Ich will, dass die, die Serien wie Big Bang Theory, Community und Lost machen, was von mir haben. Auch für Musik, die ich über Internet höre, möchte ich Geld verteilen. Ich finde gerade im Kulturbereich Geiz extrem ungeil.  Ich will für Medienkonsum Geld zahlen. Und sei es von mir aus eine monatliche Pauschale, die über Verwertungsgesellschaften verteilt wird. Oder die ich im Idealfall selber verteile. Von mir aus auch Pay-Per-Download-Modelle. Aber ohne künstliche Grenzen (“This content is available in your area”). Das würde um ein Vielfaches mehr der heutigen Medienrealität entsprechen, als die verzweifelten und peinlichen Versuche, irgendwie doch an Geld für das österreichische Kindergarten-Fernsehen zu kommen.