April, 2012:

“Unwissentlich” oder nicht – das ist nicht die Frage

Jö, ist das schön – ich kann sagen “Ich hab’s gewusst”. Das mach ich doch gerne. Noch dazu zwei Monate vor Profil. Ha!

Jetzt erschien am Wochenende dieser Profil-Artikel, ein sehr schöner Text, völlig richtig, ganz viele Wörter zum selben Inhalt. Bemerkenswert der Spin, der dem Artikel gegeben wurde – in diesem OTS wurde der Hinweis ergänzt, dass die Künstler “unwissentlich” für umsonst gearbeitet hätten (was im Text, soviel ich sehe, nicht steht).

Die Online-Reaktion war erwartungsgemäß schadenfroh, nicht ganz zu unrecht.

Nur: eigentlich gehts wieder am Problem vorbei. Es ist zwar gefundenes Polemik-Fressen für die Gegenspieler von “Kunst hat Recht” – Gratiskunst online gratis posten passt ja wirklich nicht zur Initiative, harharhar.

Doch das Problem ist nicht, dass die Künstler gratis gearbeitet haben, auch nicht, dass Kunst hat Recht nichts für den Abruf der polemisch-peinlichen Videos verlangt (was zugleich ein Eigentor ist, weil es deutlich zeigt, wo die Stärken der verbissen bekämpften Gratiskultur liegen).

Das Problem ist, dass die beteiligten Künstler in den Anliegen der Initiative einen Good Cause sehen, sprich: dass sie sich am Ende einer Diskussion sehen und nicht am Anfang.

Natürlich würden Künstler nichts verlangen, wenn sie auf einer Veranstaltung gegen irgendwelche Krankheiten oder bei politischen Lichtermeeren auftreten. Das würde niemanden wundern. Auch dass eine Agentur bezahlt wird, die derartige Benefiz-Sachen verwaltet, finde ich das Gegenteil von überraschend – deswegen heißt es immer so schön “der Reingewinn fließt an..”, sprich die Einnahmen minus der Kosten für Verwaltung. Benefiz ist oft ein gutes Geschäft.

Die schiefe Optik hier liegt woanders: Durch die Gratisarbeit für Kunst hat Recht setzen Künstler das Anliegen der Lobbyinginitiative mit einem derartigen Good Cause gleich. Das hat ein bisserl was Peinliches: Benefiz im Eigeninteresse ist keine moralische Auszeichnung, schon gar nicht, wenn ein Geldgeber (=Verwertungsgesellschaften) dazu aufruft.

Doch das eigentliche Alarmsignal ist: Benefiz-Status wird gemeinhin nur jenen Good Causes verliehen, bei denen es Konsens ist, dass sie in den allerweitesten gesellschaftlichen Kreisen als “richtig” anerkannt werden. Die für Kunst hat Recht arbeitenden Künstler sehen die Sicht der Initiative auf das Internet offenbar als Konsens an. Etwas Schlechteres könnte der dringend notwendigen Debatte über die Künstlerentlohnung nicht passieren als Künstler, die sich mit einer derart problembehafteten Sicht in Diskussionsstellung verschanzen.

Die Piraten: Treffer und (nicht) versenkt

Ich geb’s gerne zu – ich bin fasziniert, auf latent gruselige Weise, so ein bisserl wie beim “Alien”-Schauen: Wunderschön zu beobachten ist derzeit die stille Effizienz, mit der das politische Establishment (ja, ich meine auch euch Grüne) zum Gegenschlag gegen einen Eindringling ausholt.

Der Ausgang scheint mir klar zu sein: Die Piraten werden von den Alliierten des Proporzgleichgewichtes versenkt werden. Politiker und die mindestens ebenso vorgestrigen Meinungsforscher wissen genau, wie man die Neuankömmlinge, die (noch) außerhalb der einzementierten Verwertungszusammenhänge von Politik stehen, kaputtschießt.

Vor allem, wenn diese Neuankömmlinge auch noch ziemlich alles tun, um sich selber zu versenken.

Fire at will:

  • Die Piraten sind doch nur eine Sammelpartei für politikverdrossene junge Männer. Treffer.
  • Die Piraten kennen sich doch nur mit einem Thema aus, im Gegensatz zu den anderen Parteien, die – wie die Politik der vergangenen 50 Jahre ja eindringlich gezeigt hat – Experten für eh alles sind. Treffer.
  • Die Piraten haben keine Struktur und sind basisdemokratische Träumer. Treffer.
  • Die Piraten haben – im! Gegensatz! zu! den! anderen! Parteien! – ein Problem mit dem rechten Rand. Treffer plus Eigentor.

Man kann gar nicht anfangen zu beschreiben, was für ein trübes Signal es für die Parteien und auch manche Kommentatoren ist, dass nicht einmal jetzt erkannt wird, dass das Internet vielleicht doch auch ein Thema ist, bei dem man versuchen könnte, eigene Kompetenzen zu entwickeln. Da schießt man lieber gemeinsam auf jene, die das aufzeigen – und gleich auch noch beweisen, dass man damit Wähler ansprechen kann.

Nur: auch wenn die Piraten nicht (mehr) da sind, das Thema Internet bleibt. Und ebenso der gewaltige, fast unermessliche, jedenfalls groteske Aufholbedarf, den die österreichische Politik in diesem Bereich hat.

Was ich diese Woche nicht verstanden habe

Inwiefern um alles in der Welt es ein Erfolg für eine Verwertungsgesellschaft ist, wenn Künstler kein Geld mit Google verdienen dürfen. Das ist Realsatire pur. Dauernd jammern, dass das pöse Google (und! das! Internet!) die Künstler um ihre Einnahmen bringt, aber dann bei Gericht (!) durchfechten, dass Google nichts zahlen darf (!) – facepalm, bis es blutet.

Warum so viele gescheite Online-Leute hysterisch wie die Betschwestern “Sünde! Sünde!” rufen, wenn sie 3 Prozent Kulturabgabe auf Festplatten zahlen sollen. Bringt keinen um, und bringt Geld für jene, die wir Onliner dauernd gegen die pösen Verlage/Labels “in Schutz nehmen”. Natürlich muss es eine Opt-Out-Möglichkeit für Festplatten geben, die nicht zur Speicherung urheberrechtlich geschützter Inhalte dienen; dann sollte es für die Besitzer dieser Platten aber empfindliche Strafen geben, wenn dann doch wieder Fernsehserien und Musik drauf liegen.

Warum Facebook nicht die New York Times statt Instagram gekauft hat. Kostet ungefähr das selbe, und die alte Tante Times ist Quelle für unvergleichbar mehr Traffic (abschreibende andere Medien, abschreibende Blogger…).

Warum das Tupac Shakur-“Hologramm” hierzulande nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Das wird noch wirklich spannend für die Kultur.

 

Einige sind anonymer als der Rest

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