October, 2012:

In Österreich ist Fortschritt immer ein Problem

Jö, der Herbst ist da, und nein, ich freue mich nicht auf die kommende Kunstentlohnungsdebatte. Der Auftakt wird wohl am 17. Oktober sein: Künstler wollen für die Festplattenabgabe demonstrieren.

Das ist ungefähr so sexy wie Journalisten, die für das Leistungsschutzrecht auf die Straße gehen. Auch wenn ich prinzipiell für die Festplattenabgabe – überhaupt für gescheite Pauschalmodelle – bin: das kann doch nicht die Art sein, wie die Kunstentlohnungsdebatte geführt wird. Einen diffizilen, im Wesentlichen noch überhaupt nicht begonnenen, aber dringend notwendigen Dialog über Entlohnungsformen für Kunstschaffende mit einer Demo für einen emotional aufgeheizten Nebenaspekt zu konterkarieren – das betrübt mich, denn so werden die Fronten verhärtet, und das ewige Hickhack ist eh schon kaum auszuhalten.

Es passiert derzeit ein weit wesentlicherer Kulturwandel als die Frage, ob Festplatten jetzt 10 Euro mehr oder weniger Kosten. Mit Konzepten von vor 25 Jahren wird man dem nicht beikommen. Darauf das öffentliche Hauptaugenmerk zu richten wird die von beiden Seiten auf erbärmlichem Niveau geführte Diskussion keinen Schritt weiter bringen.

Fortschritt dürfte aber eh nicht das äußerste Ziel aller Beteiligten sein: Die IG Autorinnen Autoren fordert den Rücktritt der Nationalbibliotheksdirektorin. Weil diese irgendwann einmal nur noch Ebooks sammeln will.

Wie unglaublich österreichisch: Die Zukunft muss genauso bleiben wie das Heute, Veränderungen sind böse und wer für noch so zarten Fortschritt steht – auch wenn es erst um 2025 geht – ist suspekt, ja muss ausgetauscht werden.

Genau darum schaut es in unserem Land so aus, wie es aussieht.

Künstler haben eigentlich – so glaube ich immer noch – die vulgärkonservative Gesellschaft vor sich herzutreiben. In der Kunstentlohnungsdebatte ist das Gegenteil der Fall.

Und nein, die Gegenseite hat auch nicht Recht. Die Kunst darf nicht dem Onlinedarwinismus ausgeliefert werden, auch wenn der noch so glänzt. Die Bringschuld von uns Onlinern: Es gilt, Chancen für das finanzielle Überleben von Künstlern in mindestens dem Ausmaß zu schaffen, dass der Ausfall der zerschlagenen Strukturen mindestens kompensiert wird, im Idealfall  aber mehr Geld in die Kultur fließt. Da gibt es noch gewaltigen Nachholbedarf. Und eine Festplattenabgabe, auch eine Internetpauschale ist eine jeweils ausreichend geeignete Übergangslösung, die niemanden umbringt.