Off-Topic

Liebe Wutbürger, bitte lasst die Heugabeln im Schuppen

Okay, eine Woche häppchenweises Dauer-Fernsehen (weil krankheitsbedingt zu nichts anderem fähig) ist schon eine besondere Prüfung. Beim Bingo glaubt eine Kandidatin, in Österreich herrscht “Monarchie”, und das war bei weitem nicht der Tiefpunkt an Dummheiten, an empörenden Beispielen der Minimalverbalisierung, an himmelschreienden Begrenztheiten, die ernsthaft als Meinung diskutiert werden.

Den Vogel abgeschossen aber hat, leider, Roland Düringer.

Nichts gegen Düringer, und ich neide auch niemandem das persönliche Erweckungserlebnis. So sympathisch er ist, so lustig seine Filme und so gut seine Kabaretts sind: Seine Wutbürger-Rede zum Abschluss des Donnerstalks hat alles verkörpert, was dieses Land so klein macht, wie es ist.

Denn was Österreich genau nicht braucht, ist Wut, sind Bürger, die ihren Zorn zur politischen Bewegung erklären.

Seit Jahrzehnten ist Österreich das Land der Dauerbeleidigten, gelähmt im gegenseitigen Proporz-Hass der Roten und Schwarzen. Jeder Anhauch der Bewegung wird vom Gegenüber niedergegiftet. Die Österreicher sind wütend auf “die EU”, die Besserverdienenden, die Armen, die Reichen, die Zuwanderer, die Arbeitslosigkeit, den Sozialschmarotzer, den Rot- bzw. Schwarzfunk, die anderen Medien, den Nachbarn, die Nachbarländer, die lärmenden Kinder, die Erbtante, den Fortschritt – das Zorngefühl des Dauer-Zukurzgekommenseins, des Dauer-Übervorteilten ist in Österreich die politische Währung.

Und genauso wird sie auch verwendet: Österreich positioniert sich immer wieder gerne als das Schmuddelkind der EU, stellt sich mit Inbrunst gegen die EU-Annäherung der Türkei, und auch im Inneren kann man sich über ein reines Zornprogramm ganz offenbar zum Kanzler schreien. Kein Wunder, dass bei Düringers Rede der Applaus aus der falschen Ecke kommt: Die FPÖ lebt alleine und ausschließlich vom Wutbürger.

Denn leider grenzt Wut auch immer an vormoderne Impulse, an das Einschwören auf eine vermeintliche Ur-Gemeinschaft, die es dank der durchgelüfteten Komplexität des heutigen Lebens – zum Glück – nicht mehr gibt.  Da hat die Krone ausnahmsweise mal Recht, wenn sie ihre Leserbreifschreiber als Vorläufer des Wutbürgers lobpreist: Wer wütend ist, ist irrational, reduziert Komplexität (der größte Schaden für eine Gesellschaft), nimmt seine unerfüllten Partikularinteressen zum Anlass, an den ohnehin tönernen demokratischen Institutionen in Österreich zu rütteln. Noch dazu an der falschen Stelle.

Pauschalisierung (“Hamsterrad”) ist die Einstiegsdroge zur Verschwörungstheorie, und irgendwelche Systeme für beendet zu erklären, klingt revolutionär – viel Substanz hat das nicht. Gerade in demokratischen Systemen hat Protest immer auch einen Erklärungsbedarf, den weder die Occupy-Bewegung (mit Absicht) noch die Wutbürger (wegen mangelnder Verkürzbarkeit) erfüllen: Dabei geht es einerseits um eine (nicht ausformulierte) gesellschaftliche Alternative, über die immanente Einigkeit suggeriert wird – die aber letztlich unbestimmt bleibt. Düringer und viele am revolutionären Stammtisch reden vom Weißwählen – das umstürzlerische Potenzial ist beschränkt, und außerhalb des demokratischen Spektrums will man sich hoffentlich nicht bewegen. Andererseits fehlt den Wutbürgern auch eine Perspektive: Was macht Wut besser? Wut sorgt für Konfrontation. Danke, davon haben wir in Österreich schon mehr als genug.

Und wenn dann noch der Begriff Philosophie ins Spiel geworfen wird, dann stellts mir schon ein bisschen die Zehennägel auf.

Bitte, liebe gutmeinende Österreicher, lasst die Heugabeln im Schuppen. Nicht jeder internationale Trend ist übertragbar. Wut tut dem arabischen Frühling gut, auch der Grande Nation oder dem verspießerten Deutschland.

Was Österreich braucht, ist eine innere Abkühlung. Das ist kein Plädoyer gegen Protest, ganz im Gegenteil: Gerade Datenpolitik, Social Mining, gutes Vergleichsmaterial mit anderen Ländern geben uns nun erstmals die Tools in die Hand, eine faktenorientierte Politik an die Stelle des Geschreies zu setzen.

Österreich muss sich auf politischer und gesellschaftlicher Ebene endlich die Wut abgewöhnen, muss aus dem pubertären Fußgestampfe herauskommen. Da nützt es niemandem, wenn jetzt auch noch jeder Kleingartenbesitzer sich zum Wutbürger umdefiniert. Gerade wer wütend ist, ist hierzulande ein Systemtrottel. Lasst uns lieber Datenbürger werden.

(Sorry, dass ich so spät über das eh schon gut abgehangene Thema blogge – wie gesagt, krank. Und sorry, dass ich außer Niko Alm und stadtbekannt niemanden verlinke, habe keine Blogrecherche gemacht)

Einspruch: Ein Foul in der Bildungsdebatte

Zugegeben, bei all’ dem Uni- und Studenten-Bashing kann man schon mal den Überblick verlieren. Dennoch erstaunt mich, dass sich die Studenten, ja überhaupt alle jungen Leute permanent und widerspruchslos ein Foul gefallen lassen, das derzeit immer wieder hinterrücks über die Bande gespielt und dann mit voller Wucht an ihnen verübt wird: Denn der Bildungsdebatte inhärent ist eine kontinuierliche Beleidung der derzeit jungen Generation. Und zwar von jenen, die ihr Rederecht eigentlich verwirkt haben sollten.

Es lässt sich summieren als die ewige alte Leier: das Niveau der heutigen Studenten sinkt und es studieren viele, die es nicht sollten, weil sie nicht gescheit genug sind. Das ist kurz gefasst der Subtext von Eingangsprüfungen und anderen Auslesesystemen für Studenten, die als Allheilmittel der Unimisere dargestellt werden. Darauf noch ein bisschen reaktionären Nonsens gegen Computer-Sucht gepackt, und wenn man als Intellektueller völlig daneben ist, konstantiert man schlussendlich noch einen Geburtenüberschuss bei den Dummen und kommt zum Ergebnis: das intellektuelle Niveau Österreichs wird immer schlechter.

Wie wir Briten sagen: Bollocks.

Liebe junge Menschen, lasst euch doch nicht so beleidigen. Sondern fragt zurück: Wo, bitte, sind denn die ganzen Super-Intellektuellen der Generation 60+? Damals, als die studierten, gab es noch Studiengebühren. Ergo muss damals an den Unis alles in Ordnung gewesen sein. Und? Wo sind in Österreich die wegweisenden Denker? Wo die Ausnahme-Politiker? Wo die kultivierten Bürger? Wo die moralischen Instanzen? Wo selbst die Facharbeiter? Mit welchem Recht sagt jene Generation der Österreicher, die dieses Land gegen die Wand gefahren hat, den heutigen Jungen, dass sie dumm sind?

Lasst euch nichts sagen. Ignoriert die ideologischen Scheingefechte um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Studiert nicht nur das, was am Arbeitsmarkt verwertbar ist. Denn die Unis sind keine Stätte der Berufsausbildung, dafür sind – mehr recht als schlecht – die FHs da.

Und die Unis haben kein Budgetproblem. Sondern die Politik hat ein Problem mit dem Unibudget. Es gibt kein Naturgesetz und keine EU-Richtlinie, die verhindern, dass die Unis das Geld vom Staat kriegen, das sie brauchen. So, wie das Bundesheer, der Verwaltungsapparat und die Schulen. Das wäre sofort herzustellen. Wenn, ja wenn die Unis von der Politik als lebensnotwendig für Österreich erkannt würden. Nur das spielt’s halt nicht. Denn das Wohlergehen der Unis ist nicht nötig für das Wohlergehen irgendeiner Partei.

Abschied vom Linux-Handy

Tja, das war’s dann mit uns: Nach eineinviertel Jahren hab ich mich von meinem Nokia N900 verabschiedet. Und eigentlich tut es mir ziemlich leid, weniger um das Gerät als um das Ideal, das ich damit aufgegeben habe. Vom offenen Linux- zum Google-Handy, das tut schon weh. Alternative gab es keine.

Vorausgeschickt: Ich finde die Kritik an Nokia geht völlig an der Realität vorbei. Nokia ist in der Windows Vista-Falle: Die Diskussion über die Interface-Mängel hat sich so verselbstständigt, dass die wahrgenommenen Mängel viel schwerer wirken, als es tatsächlich gerechtfertigt ist. Das Maemo-Interface ist genauso wie Symbian schon ganz in Ordnung. Viele Medien und Blogger fallen da gerne auf sehr geschicktes Negativmarketing der Konkurrenten herein.

Der Grund für den Abschied vom N900 war, dass aus einer Insider-Schiene (Linux am Handy!) eine Sackgasse geworden ist, als Nokia sich von Maemo/Meego losgesagt hat. Ich brauche keine tausend Apps und keine monatlichen Betriebssystem-Updates. Aber null Support ist im Servicebereich Software untragbar. Gerade bei den Powerusern, die das N900 gekauft haben.

Ewig schade drum, Nokia hat da wirklich ein einzigartiges, netzpolitisch immens wichtiges Angebot gehabt – kein Bewegungsdatensammeln, kein heimliches Ausspionieren, keine App-Zensur. Und sie haben es mit Totalschaden fallengelassen.

Das Internet macht dumm… und klug

Was der Menschheit fehlt: Ein Wiki für Streitthemen, die alle paar Jahre wieder groß diskutiert werden und eigentlich schon längst geklärt sein müssten. Da könnte man dann etwa eintragen: Nein, die nächste Generation ist nicht dümmer/lauter/ungehobelter/unbelesener als die vorige; nein, vor (Zeitpunkt-20 Jahren) war nicht alles besser. Und nein, neue Medienformen machen nicht dümmer als alte.

Stating the obvious: Das Internet macht dumm. Da braucht man sich gar nicht drüber aufregen, wie es kürzlich die Twittergemeinschaft in selbstgerechter Empörung während einer Fernsehdiskussion getan hat (ernsthaft, Leute: das war eine Fernsehdiskussion, wen kümmert das?) Eine Woche Urlaub vom Datenstrom haben mir wieder klar gemacht: Im sozialen Online-Leben schüttet sich mit Stumpfsinn zu, hört unerträglich kleingeistigem Brustselbstgeklopfe zu, wird eingeengt von den Grenzen in den Köpfen der anderen.

Stating the obvious: Das Internet macht klug. Man kann den Wissenszuwachs, die Inspiration, den Lerneffekt der andauernden Auseinandersetzung mit Inhalten gar nicht überschätzen. Das merkt man in einer Woche Urlaub vom Datenstrom: Da kann man eben nicht mal schnell was nachschauen, und dann weiß man es eben nicht.

Wie man über derartige Offensichtlichkeiten so ausdauernd diskutieren kann, bleibt mir ein Rätsel, bzw. nein eigentlich nicht. Es ist dieselbe Mischung aus pubertärem Minderwertigkeitsgefühl und peinlichem Standesdünkel, die in allen Mediendiskussionen bisher vorherrschte.

Das Internet reiht sich nahtlos in die lange Liste an Medien ein, bei denen es genauso binär ist: Fernsehen macht dumm, sagten uns damals in den 80ern aufgeregt die Psychologen. Jetzt ist das Fernsehen mit den Konsumenten mitgealtert und macht plötzlich weniger dumm als das Internet, weil die 50plus-Generation es halt schon so gewöhnt ist. Bücher machen klug, keine Frage – zumindest manche. Das Ausmaß an strunzdummen Machwerken, die dennoch gelesen werden, ist genauso unermesslich. Zeitungen können ein Weltbild ausdifferenzieren und für Frischluft im Kopf sorgen. Die meisten wählen aber jene, die das nicht tun.

Was eigentlich gefragt sein sollte: Wie wird man mündiger Medienkonsument? Der wichtigste Ansatz: Nicht immer nur Bestätigung der eigenen Vorurteile suchen. Das Wertvolle ist die andere Meinung. Solange die nicht strunzdumm ist.

Nokias N900: Zwischen iPhone und Android wird die Zukunft übersehen

Dem zurückhaltenden Urteil von Volker Weber über Nokias N900 (“do you want an N900? Probably not. Not yet.”) könnte man auch vier Monate später noch vorbehaltlos zustimmen. Wer will schon ein Smartphone mit einem Betriebssystem (Maemo), das “permanent beta” (copyright Martin Leyrer) ist und noch dazu von Nokia selbst bald durch ein anderes ersetzt wird, ohne bisherige fixe Zusage, dass das dann auch am N900 läuft? Wo viele essentielle Sachen nur über Umwege funktionieren und es kaum Anreize für Fremdhersteller gibt, Apps zu schreiben? Das dreimal so dick ist wie ein iPhone und dessen Akku dennoch genauso schnell leer ist?

Die Antwort ist eindeutig: Ich.

Denn Nokia macht hier als einziges Unternehmen etwas sehr Grundlegendes richtig und bekommt dafür viel zu wenig Anerkennung. In der Aufmerksamkeitsökonomie zwischen iPhone und Android in die Bedeutungslosigkeit zerrieben, ist das N900 dennoch das einzige “free phone”. Nein, damit meine ich nicht gratis (Disclaimer: Ganz im Gegenteil, ich habe echt viel Geld dafür gezahlt; sprich: ich habe kein Testgerät von Nokia bekommen). Sondern es ist das einzige Handy, wo man als Besitzer alle Freiheiten hat. Während Apple beginnt, sich mit seinem geschlossenen Software-System lächerlich zu machen, und man wahrlich genug gute Gründe finden kann, sich Google (=Android) nicht auch noch am Handy einzutreten, bin ich am N900 “root”. Wo jede Funktion, die man benützen darf, anderswo einen Gnadenakt darstellt, vertraut Nokia dem Benutzer.

Dabei ist es ja gar kein Telefon. Sondern ein tragbarer Linux-Minicomputer, was ich durchaus als die Zukunft des mobilen Computings sehe.Wenn man diesen Gedanken wirklich mitlebt, dann dürfen Akku-Laufzeiten bei heavy use (Dauersurfen, Programme Installieren, Spielen, WLAN) von 4 oder 5 Stunden nicht verwundern: Die meisten Laptops laufen nicht länger. Denkt man ein bisschen mit (WLAN abdrehen, wenn nicht in Gebrauch, Refresh-Zeiten für Email und RSS auf vernünftige Intervalle stellen), kommt man locker über eineinhalb Tage, ohne neu aufzuladen, ein ziemlich typischer Wert für Smartphones. Zu den Standard-Fragen: Das N900 ist sauschnell und responsive, es lässt beim Multitasking erstaunliche Muskeln spielen, es fungiert als Radio-Sender für lange Autofahrten und lässt sich ganz einfach an Fernseher anschließen, es hat einen umwerfenden Bildschirm und  ausreichende Telefoniefunktionen.

Dennoch: Der Kanten sind viele. Umwege zum Bearbeiten von Kontakten, handgestrickte Sync mit Exchange-Servern, ein – freundlich gesagt – nicht ganz lückenfreies Software-Angebot (für das eben die Community verantwortlich ist und kein Konzern), nur zwei Ringtone-Profile… – man kann genügend Fehler finden, die dem Kauf widersprechen. Und ich bin bis jetzt nicht draufgekommen, wie ich das Menü umordnen kann.

Wer den Kauf eines N900 überlegt, muss  ganz, ganz genau wissen, was er will. Vieltelefonierer sind ebenso falsch wie Angeber (die tausend Apps und überdesignte Benutzeroberflächen herzeigen wollen) und jene Businesskunden, die nahtlose Integration mit bestehenden IT-Ökologien brauchen. Wer aber einen Computer mit vollwertigem Browser immer dabei haben will, wer viele Medien konsumieren will (das N900 kann Flash, viele Audio-und Videoformate, Video-Streaming vom Heim-Server auf den TV oder auch Web-Radio unterwegs), sein Telefon nach den eigenen Vorstellungen nutzen will, Fern-Zugriff auf andere Computer verwenden will und auch Emulatoren (C64) laufen lassen will, ist hier goldrichtig.

Vor allem aber alle, die sich nicht von Mobiltelefon-Herstellern bevormunden lassen wollen. Dieses Telefon ist meines, ohne Einschränkungen. Und das alleine ist ein ausreichender Grund, mit dem Börsel abzustimmen: Dorthin soll die Entwicklung gehen.

Warum können PCs nicht sein wie… Rollenspiele

Nicht erst seit dem Blogpost der New York Times ist es ein hübscher Volkssport geworden,die Bedienbarkeit von PCs mit jener von iPhone, Mac OS oder auch einem Toaster zu vergleichen. Meine 2 Cent: Ein Betriebssystem der Zukunft für Arbeits- bzw. Privat-PCs (im Gegensatz zu Medienkonsum-Maschinen wie iPad, Netbooks, etc) sollte sein wie ein Rollenspiel. Und ich hielte es für eine Selbstverständlichkeit, dass Betriebssysteme endlich lernen, mit ihren Usern umzugehen, nicht umgekehrt.

Gemeint ist damit: User sollten anfangs nichts tun dürfen, das sie nicht verstehen, und sich erst nach und nach das Recht dazu erwerben, abstraktere Dinge mit dem Computer anzustellen. Und, ebenso wichtig: Das Betriebssystem sollte aktiv je nach Skillset nur jene Optionen anbieten, die der User meinen könnte.

Also kein komplizierter Formwandelzauber anfangs, sondern eher nur Kerzenanzünden mit Feuer-Spell. Oder, auf den Computer umgelegt: Wer Level 1 hat und das Partitions-Tool von Windows 7 aufruft, sollte nicht am Ende (nach allerlei magischen Vorgängen) mit einer 100 MB-Partition enden, die vor der Systempartition liegt und in die dann originellerweise auch noch versucht wird, hineinzubooten. Gerade eben erst gesehen, und es war kein Spaß das zu richten.

Die Frage bleibt: Wieso funktioniert das überhaupt? Welcher Anwender kann das jemals brauchen? Diese Option sollte erst bei Level 150 auftauchen. (Und übrigens: Dass das BIOS dann beim Booten zwar penetrant melden kann, dass der Bootmanager fehlt, aber nicht gleich ein kleines Tool gestartet wird, das selbiges Problem behebt, ist ein Witz.)

Ich plädiere für einen Character Sheet für jeden User, den man bei Computermigrationen mitnimmt (der also idealerweise irgendwo in der Cloud gespeichert wird). Der sich nach und nach nach oben hin adaptiert und damit immer mehr Optionen freischaltet. Die superguten Computerauskenner dürfen natürlich gleich alles. Ein derartiges System sollte idealerweise auch nichts mit der Benutzerverwaltung bei Windows und Linux zu tun haben. Denn es geht nicht darum, DAUs zu fragen, ob sie etwas jetzt wirklich machen wollen. Darauf haben die meisten keine Antwort, weil sie schlicht die Frage nicht verstehen. Sondern es geht darum, unterstützend und pädagogisch an den User angepasst das Betriebssystem für alle auf deren höchsten Niveau verwendbar zu machen.

Eine extreme Peinlichkeit für die ganze Branche ist übrigens das Unvermögen, auf den User zuzugehen. Ja, zugestanden: Viele Menschen sind unerträglich denkfaul und stur. Dennoch: Betriebssysteme sind eine Serviceeinrichtung und haben sich an den User anzupassen. Wenn dieser zehnmal das Netzwerktool in der Systemsteuerung aufruft, dann sollte das Betriebssystem fähig sein zu erkennen: Es gibt ein Netzwerkproblem, das der User offensichtlich nicht beheben kann. Wie schwer kann es sein, dass das Betriebssystem dann selbstätig erkennt, was das Problem ist? Bei einem Bekannten war kürzlich im Browser ein Proxy eingestellt, der ins Nichts führte. Niemand kann mir sagen, dass nach einem Vierteljahrhundert Entwicklungszeit Windows 7 einen nicht genau darauf hinweisen könnte.

Der Rollenspielcharakter von Betriebssystemen hätte übrigens noch einen Vorteil: Es würde Motivation geben, sich zu verbessern und sich mit Kollegen/Mitschülern/Pensionistenclubmitgliedern zu vergleichen. Etwa: “Ich darf schon 100 Mb-Partitionen erstellen, wann und wo ich will. Aber ich bin zu gescheit es zu tun.”

Happy New Year

Als besseren Ersatz für das Neujahrskonzert:

Ich habe eine neue Spezies entdeckt – den Protestabonnierer

Gerade noch rechtzeitig, bevor das Darwin-Jahr aus ist: Ich habe eine neue Spezies entdeckt. Ich nenne sie mal nach mir, irgendwas mit leyreriennsis, muss noch überlegen. Aber zur Spezifikation: Der Protestabonnierer ist Facebook-“Fan” und Twitter-Follower jeder Protestbewegung, die Social Media-Plattformen verwendet. Dabei scheinen der Inhalt, die geografische Entfernung und auch eine etwaige Abstrusität der betreffenden Bewegung keine Rolle zu spielen, so lange sie gegen Obrigkeiten jedweder Art gerichtet ist. Der am stärksten ausgeprägte Charakterzug scheint die Aneignung fremder Konflikte zu sein, gepaart mit der Gewissheit, dass Protest per se immer angebracht ist. Sei es gegen böse Plattenlabels, Saufverbote, echte und empfundene Diktaturen oder Änderungen an Webpage-Designs.

In der Fülle der Protestabos herrscht dabei streng positiv rückkoppelnde Aufmerksamkeits-Ökonomie: Je aktiver der Online-Protest ohnehin ist, desto euphorischer steht der Protestabonnierer hinter diesem betreffenden Anliegen. Ist jedoch der Schwung der Bewegung stagnierend oder gar sinkend, wird rasch zum nächsten Protest-Potenzial übergewechselt. Jedenfalls ist der Protestabonnierer immer für dagegen und befindet sich in permanentem Plebiszit.

Bemerkenswert ist daran

  • dass der Protestabonnierer zunehmend Gehör findet. So wie früher (bzw. von manchen Nachzüglern leider auch heute noch) versucht wurde, die Relevanz eines Themas an der Anzahl der Google-Treffer abzulesen, wird heute recht unreflektiert die Anzahl an Fans bzw. Followern als Gradmesser für Protestrelevanz genommen. Dies scheint mir stark hinterfragenswert, denn nicht alles, was in den Social Media starke Unterstützung erfährt, ist auch ein wirklich gesellschaftlich relevantes Anliegen, und umgekehrt: Wirklich essentielle soziale Fragen schaffen es wegen ihrer Allgegenwärtigkeit nie, auf eine nennenswerte Online-Protestwucht zu kommen.
  • dass es daher eher die (derzeit schön zu beobachtende) Ausnahme ist, dass Online- und Offline-Protest Hand in Hand gehen. Sonst jedoch weist der Online-Protest oft einen ähnlichen Grad an Aufruhrpotenzial auf, wie es früher die an die Jeansjacke gepinnten Anti-Atom-Anstecker hatten: Mehr als ein paar alte Spießer schrecken ist schwierig. Allzuvieles bleibt gegenseitige Online-Bestätigung von Menschen, die ohnehin der gleichen Meinung sind, ohne dadurch etwas zu verändern. Oder, wie schon viel schöner, gesagt wurde: “This calls for immediate discussion.”

Wenn sich das Protestpotenzial der Social Media – das jeder weltoffene Mensch willkommen heißen muss und das keinesfalls unterschätzt werden darf – jedoch anhaltende Glaubwürdigkeit aufbauen will, sollte damit sorgsamer umgegangen werden. Sich mit allen Konflikten anderer solidarisch erklären, ist schön und gut. Doch wer auf jeden Zug aufspringt, sagt insgesamt recht wenig über die betreffenden Anliegen aus und mehr über sich selber. Damit macht man sich angreifbar.

Und damit verspielen wir u.U. die neue Chance, die Social Media-Protest bietet: Nämlich jenen Gehör zu schaffen, die früher keine Stimme hatten. Wenn alle jetzt bei jeder Gelegenheit online laut durcheinander schreien, werden ausgerechnet die Schwächsten und auch die tiefgreifendsten Anliegen untergehen. Der Protestabonnierer sollte die Evolution nicht scheuen – Online-Protest muss sich weiterentwickeln.

Pure bliss – Antony and the Johnsons, Knocking on Heaven’s Door

Nettes Konzept – mit einem kleinen Verbesserungsvorschlag

Eine nette Idee gibt’s hier: Kleine, baumähnliche Geräte mit Photovoltaik-Zellen, die man u.a. an den Strand mitnehmen kann, um dort Laptop, Mp3-Player etc. mit Sonnenenergie aufzuladen. Klingt ziemlich praktisch, wenn da mal wirklich die nötige Energie gewonnen werden kann und das richtig tragbar ist. Eine Zusatzidee hätte ich: Warum nicht gleich einen Sonnenschirm drauß machen, der PV-Zellen drauf hat und unten Schatten spendet. Ich bin sicher nicht der einzige in der Zielgruppe, der es hasst, in der Sonne zu liegen – und so schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe.