Pop und Musik

SOPA, PIPA, ACTA, LMAA

Liebe Leute, wappnet euch – ich habe Unliebsames zu verkünden: An der kommenden Zensur des WWW sind wir alle selber schuld. Denn abseits des hyperempörten Twitterns, Bloggens, Souppens geben wir den Amok laufenden Lobbyisten und den nichtsahnenden, aber instinktiv die Chance auf Kontrollzuwachs witternden Politikern täglich die Macht dazu in die Hand, das Web zu ruinieren. Und es ist höchste Zeit, dass wir damit aufhören.

Die Banalitäten vorweg, damit es zu keinen Unklarheiten kommt: Nein, die Medienunternehmen haben nicht das Recht dazu, die Rechte aller zu beschneiden, und ja, die drohenden Zensurabkommen sind die größte Einschränkung der Bürgerrechte, die wir uns seit ever gefallen lassen haben werden. Dass demnächst im Namen der Kultur die Zensur in Österreich Einzug halten wird, ist schlichtweg zum Speiben. Und ja, die Politiker wissen letztlich ganz genau, was sie tun.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: SPÖ, ÖVP und alle anderen mitstimmenden Parteien werden das Leitmedium des 21. Jahrhunderts zensieren, indem sie ACTA zustimmen werden.

Man lasse sich dies auf der Zunge zergehen: Wochenlang brüllen alle Medien wegen des Dann-doch-nicht-Büroleiters eines in der Bedeutung rasant abnehmenden Medienhauses. Die andere, wirklich verheerende Entwicklung bleibt fast unbemerkt.

Jedenfalls: Die Politiker freuen sich, sie haben nur keine Ahnung, warum sie in der glücklichen Lage dazu sind, plötzlich derart und ohne Medienwirbel in die Medienfreiheit eingreifen zu können. Ist auch egal: Die Zensur ist argumentierbar. Denn mit jenem (kleinen) Teil ihrer Argumente für SOPA, PIPA, ACTA, den Politiker so gerade noch verstehen können, haben die Film- und Musiklobbyisten schlicht und ergreifend Recht – es wird in gewaltigem Ausmaß kopiert.

Ja, ich kenne all die guten Argumente dafür, warum Kopieren von Kulturgut gut ist. Und ich finde, die sind alle richtig. Bis auf eines: Wenn Kopieren nur dazu da ist, aktuellen und eigentlich leicht über offizielle Kanäle verfügbaren medialen Mainstreamscheißdreck gratis zu konsumieren, dann wird es argumentativ eng. Das hat nichts mit Kulturfreiheit oder Social Media Revolution oder sonstwas zu tun – das ist kleingeistige Kostenvermeidung und, im schlechtesten Fall, Pseudorevoluzzertum. Denn einerseits Hollywood und die großen Musiklabels für das Grundübel der Kulturwelt zu halten, aber gleichzeitig wie der elendste Süchtige dauernd deren Produkte konsumieren zu müssen, ist, nun ja, kein Zeichen für persönlichen Reifegrad.

Es gibt kein gutes Argument dafür, Filme herunterzuladen, die eh gerade im Kino laufen oder sechs Monate später auf DVD 9.90 Euro kosten. Denn wer “den Bonzen kein Geld zukommen lassen will”, soll dann aber auch die Größe haben, deren Dreck nicht zu konsumieren.

Also, machen wir es kurz: Die Umsetzung von ACTA in österreichisches Recht muss, so es noch irgendwie möglich ist, verhindert werden.

Aber gleichzeitig ist es an der Zeit, damit aufzuhören, Mainstreamkulturprodukte zu kopieren, die – sagen wir mal – jünger als 3 Jahre sind. Denn die sind leicht gegen ein wenig Geld zu bekommen, und das kann und sollte es einem auch Wert sein.

Und vor allem: Wir sollten nicht für jene 10 Euro, die “Puss in Boots”, “Verblendung” oder “Die Muppets” im Kino kosten, den Zensurargumenten die Türe öffnen.

Wenn etwas wirklich nicht (oder nicht mehr) auf legalem Weg zu bekommen ist, dann sind die Rechteanbieter selber schuld, wenn kopiert wird. Damit meine ich auch insbesondere alle die tollen TV-Serien, die es derzeit gibt – und die immer Monate, manchmal auch Jahre (!!) später ins europäische Fernsehen kommen. Noch dazu durch Synchronisierung ruiniert. Die sind auf legalem Weg nicht zu bekommen. Aber selbst da kann man dann (später) die DVD-Boxen nachkaufen – ich will, dass die Macher von “Big Bang Theory” oder “Lost” oder “Weeds” auch wissen, dass ich ihr Zeug mag.

Noch besser wäre allerdings etwas anderes: Den Produkten all dener, die für die Zensurabkommen eintreten, nie wieder auch nur ein Gramm Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Weder gegen Geld noch gratis. All jenen, die für ACTA, SOPA, PIPA eintreten, ein herzliches LMAA.

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MIDEM in Cannes: Musik im digitalen Zeitalter

Also, bei der MIDEM in Cannes kann man der Musikbranche wirklich nicht mehr den Vorwurf machen, das Internet nur als Bedrohung zu sehen: Hier dreht sich so gut wie alles um die neuen Chancen des Digitalen. Zumindest steht’s so im Programm, in wenigen Minuten geht’s los.

Einen Schritt weiter ist man heuer jedenfalls auf die Onlinewelt zugegangen: Im Gegensatz zum Vorjahr gibt’s heuer auch während der Vorträge freies WIFI. Danke, liebe Musikindustrie!

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Pure bliss – Antony and the Johnsons, Knocking on Heaven’s Door

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Die Menschmaschine spricht

Wie lange schon Technologie und Pop-Kultur ganz wunderbare Schnittstellen haben, dafür steht exemplarisch natürlich die deutsche Band Kraftwerk: Da trifft sich Popmusik, technophile Ästhetik und viel Hirnschmalz.  Und noch dazu verweigern sie jede Bewegung auf der Bühne, wofür alleine man sie schon lieben muss (sollte man zumindest glauben). Umso netter, wenn es dann wieder einmal neue Wortspenden gibt. Für Interessierte und solche, die es noch werden wollen: Frische Interviews im Guardian und im Telegraph. Schade, dass meine Interviewanfrage für’s Urban Art Forms nicht gefruchtet hat…

Und wer nicht weiß, was ihn an Kraftwerk interessieren sollte, der findet viel interessante Info genau hier.

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Online-Musikverkauf kostet pro Album weniger als 3 Cent

Ich bin keiner von denen, die den Preis von online verkaufter Musik so anhaltend bejammern. Ein Euro pro Song ist genauo willkürlich wie 20 Cent oder 3 Euro – Preisgestaltung ergibt sich nicht nur aus den Kosten, und es gibt kein Menschenrecht darauf, Musik billig zu kaufen.

Doch dass Online-Vertrieb eindeutig billiger ist als der Verkauf von Silberscheiben, hat jetzt der Radiohead-Manager Brian Message im NME deutlich gemacht: “We realised that by using the internet for the delivery of the album, we could reach 173 countries and it would cost us less than three cents a copy for distribution.”

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Flexible Flatrate: Mehr Angebote bringen mehr Geld für Kultur und Medien

Was ist an folgendem Satz falsch: “Kultur und Medien brauchen eine Flatrate, also eine Gebühr, die pauschal die Nutzung von Musik, Film, Nachrichten im WWW abdeckt”? Viele würden sagen, der Inhalt als Ganzes ist falsch. Ich bin anderer Meinung: Ich sehe eine derartige Flatrate, die etwa der Internet-Provider mit seiner Gebühr einhebt, als einzige und faire Lösung, die gesellschaftlich und kulturell notwendige Entlohnung von Medien und Künstlern im Zeitalter der Online-Kopierbarkeit aufrecht zu erhalten.

Falsch ist meiner Meinung nach nur ein Wort daran: Ich glaube, dass es nicht eine, sondern ein ganzes Spektrum an Flatrate-Möglichkeiten geben soll, die der Kunde auswählen kann. Viele Argumente gegen derartige Flatrates – etwa, dass auch Konsumenten etwas zahlen, die den Internetzugang nur dienstlich verwenden – können entkräftet werden, wenn man das Angebot auffächert. Ein rudimentärer Vorschlag wäre ein dreistufiges Modell:

  • Das klassische Pauschal-Modell: Je nach Bandbreite des Internetzugangs werden monatlich ein paar Euro auf die Internetgebühr aufgeschlagen. Das Problem daran ist die Verteil-Gerechtigkeit, wie auch hier nachzulesen ist. Der Vorteil daran: Dem User sollte dann wirklich freistehen, unbeschränkt allen Content zu nutzen.
  • Das Data-Mining-Modell: Hier kann der User bestimmen, wie seine Pauschalgebühr aufgeteilt wird, indem er seine Nutzung transparent macht. Das wäre bei News schwer, bei Musik und Filmen recht leicht: Nach Vorbild etwa von Last.fm oder dem (noch sehr alpha-haften, aber offen lizensiertem) Nachahmer Libre.fm installiert man ein Plug-In im Medienplayer, das – anonymisiert – die Nutzungsdaten an die Abrechnungsstelle (etwa Verwertungsgesellschaften) liefert. Dort werden die Daten der User akkumuliert und die eingenommenen Pauschalen-Gelder dann anteilsmäßig verteilt. Problem sind berechtigte Datenschutzbedenken, da müsste eine vertrauenswürdige Anonymisierungs-Stelle zwischengeschaltet sein (und durchaus auch die Möglichkeit, die Nutzungsdaten-Erfassung gezielt auszuschalten, wenn man doch mal nicht widerstehen kann und sich geschwind ein Elton John-Lied zu Gemüte führt, denn das sollte wirklich niemand wissen). Dieses System würde auch eine weitere Kritik an Pauschalgebühren zumindest mindern: Dass eine pauschale Abgeltung den Wettbewerb unter den Content-Anbietern beenden würde.
  • Und den “Put Your Actions Where Your Mouth Is”-Zugang: Für all jene, die die Idee empört zurückweisen, den Musiklabels oder anderen $InsertNameOfCapitalisticEvilDoers Geld in den Rachen zu werfen (“ich höre keine schlechte Musik”), gibt es die Möglichkeit, gar keine Pauschalgebühr zu zahlen. Dann aber muss man auch dazu stehen: Wer diesen Zugang wählt und dennoch urheberrechtlich geschützten Content ohne zu zahlen nützt, sollte mit empfindlichen Strafen zu rechnen haben. Also, entweder man ist wirklich unbefleckt vom Bedürfnis, Britney Spears und Co zu hören. Oder man zahlt eben dafür.

Update: Eine Sammlung spannender Ideen und Ansätze zum Thema Flarate gibt es hier.

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Musik-Filesharer sind keine Piraten… sondern Konformisten

Wer genug hat von der beidseitigen Propaganda im Streit um unlizensierte Musikdownloads, findet hier eine ausgewogene, wissenschaftliche Sicht der Dinge, die so manches in die richtige Perspektive rückt: Studien, die von beiden Seiten als Argumentationsfutter verwendet werden, werden hinterfragt, interessante Ansätze verfolgt.

Mit persönlich gehen die selbstgerechten Musikdateienkopierer ja genauso auf den Wecker wie klagswütige Starrköpfe, die die Chancen der Online-Verbreitung von Musik nicht erkennen wollen (obwohl die Anzahl letzterer meinem Eindruck nach eher am Schwinden ist). Obwohl im Wettstreit darum, wer sich lächerlicher macht, ja doch diejenigen gewinnen, die im Herunterladen von Popmusik soetwas wie heldenhaftes Einstehen für Informationsfreiheit sehen.

Nein, liebe Leute, man wird nicht der Maskenheld aus “V wie Vendetta”, wenn man Kunstwerke konsumiert, ohne den Künstler zu entlohnen. Ja, es gibt eine unglaubliche Ansammlung von Musikmüll, die keinen Cent wert ist. Wirklich subversiv wäre dann wohl aber, das Zeug einfach nicht anzuhören anstatt zu sagen: Ich saug mir das runter aber, ätsch, zahlen tu ich für so einen Scheiß nix. Wer so abhängig ist von Popmusikmüll, dass er das alles runtersaugen muss, ist kein Pirat, sondern ein Konformist.

Auch im immanenten Marktpartizipations-Versprechen jener, die etwas differenzierter an die Sache herangehen, nämlich im Versprechen, sich die Musik gratis herunterzuladen, dafür aber dann brav zu Konzerten zu gehen und T-Shirts zu erwerben und so den Künstler an den “bösen” Labels vorbei zu entlohnen, kann ich nichts revolutionäres erkennen, sondern allenfalls einen Mangel an Freiheit.

Ich weiß, ich brauch nicht blöd reden (kriege zahlreiche Promo-Cds und hab daher wahrlich keinen Musikmangel). Aber dennoch: Eigentlich befreit man sich von den Zwängen der “bösen” Musikindustrie am nachhaltigsten, wenn man denen zu verstehen gibt, dass einen schlechte Musik nicht interessiert. Auch nicht, wenn sie gratis zu bekommen ist.

Wie wäre es mit: Verzicht statt Datensammeln – und die Sachen, die es wert sind, kaufen, so wie man alles andere, das einem Freude macht, auch kauft.

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Ich zahle mit Daten, nicht mit Euro

Abschiednehmen heißt es derzeit für mich von Last.fm, jenem Social Music-Dienst, der neben Wikipedia die wohl am meisten von mir genützte Web 2.0-Site wurde. Ab Dienstag wird nämlich das bisher gratis verwendbare Streaming-Service kostenpflichtig (außer in den USA, UK und Deutschland). Und obwohl ich heavy user war, werde ich nach einiger Überlegung diesen Schritt nicht mitgehen.

Dabei geht es weniger um jene 3 Euro, die das Service zukünftig im Monat kosten soll. Ich bin nicht kindisch oder ideologisch genug, um zu glauben, dass alles immer gratis sein muss.

Sondern es geht darum, dass die Betreiber schon bisher einiges von mir bekommen haben – und zwar die Daten darüber, was ich mir so anhöre. “Diese Daten helfen Last.fm dabei, Musik zu organisieren und an unsere Benutzer weiterzuempfehlen”, heißt es dazu in der FAQ. In Zukunft soll ich also meine Daten weiter an Last.fm geben, um Musik-Empfehlungen zu ermöglichen und auch zu bekommen, erhalte dafür aber im Austausch nicht mehr die Möglichkeit, Musik zu konsumieren. Und das ist dann doch leider ein schlechter Deal. Überzeugt vom Nutzen des Systems bin ich immer noch. Aber am Business Model müssen die nun ohne mich feilen.

Nachtrag: Last.fm hat die Umstellung auf kostenpflichtig nun verschoben – also auch ich den Abschied.

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Flatrate für jede Art von Content

Viele Diskussionen auf der Musikmesse MIDEM in Cannes drehten sich um Finanzierung von Musik – von der Flatrate bis zu neuen, lukrativen Zugeständnissen an das Interesse der Fans, sich ihrem Star zu nähern.

Was fehlt? Das Bewusstsein, dass es in der Diskussion um Gratis-Online-Content und dessen künftiger Finanzierung nicht darum geht, eine Musiksuppe, eine News-Suppe, eine TV-Suppe zu kochen. Sondern dass immer klarer wird: Es wird nichts an einer möglichst verteilungsgerechten Pauschale für allen Online-Content herumführen.

Es geht nicht mehr darum, dem Musikbusiness Einnahmen zu verschaffen. Sondern ein altes System in eine zeitgemäße neue Form umzuwandeln.

Ich glaube: Man kann und sollte die Ergebnisse von qualitativem Journalismus, teuer produzierter Unterhaltung (Hollywood, HBO etc) und Popkultur frei kopierbar und zugänglich machen. Aber man sollte erkennen, dass dies für die Gesamtgesellschaft unbedingt notwendige Elemente sind. Und daher sollten alle gemeinsam sich finanziell beteiligen. Die Werbung darf ruhig bei massentauglichen weiter mitfinanzieren.

Riecht nach Steuer? Stimmt. Aber wenn ich schon Steuern für Bundesheer, sinnlose Straßentunnel, Pimperl-Fachhochschul-Studiengänge und viele andere Dinge, von denen ich nie irgendeinen Nutzen haben werde, zahle, dann wüsste ich lieber, dass mein Geld in gescheite Dinge investiert wird.

Nur: Es darf auf keinen Fall direkt der Staat sein, über den ein pauschal funktionierendes Content-Bezahlsystem läuft. Was wäre etwa mit einem System a la Last.fm – anonymisierte Daten der Mediennutzung, die auf möglichst vielen Computern erhoben werden und zu einem möglichst genauem Bild führen, welche Songs gehört, welche News-Items gelesen werden? Und dann anteilige Verteilung von zwei Dritteln des pauschal eingenommenen Geldes (auf Leermedien, Sat-Schüsseln, Internetzugänge, Radios, Fernseher) nach diesen Kriterien. Der Rest wird in Erstellungsförderungen (Fonds für junge Musiker, Journalistenausbildung, Preise, Stipendien) investiert.

Dem widersprechen: Datenschutzbedenken.

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Werbung, wie sie mir Spaß macht

Neulich, auf der Musikmesse MIDEM: Werbematerial aushändigende Menschen mit weißen Overalls und der Aufschrift “It’s all about the sound”. Und was bekam man dann von denen in die Hand gedrückt?

Ohrstaberln.

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