Pop und Musik

Online-Musikverkauf kostet pro Album weniger als 3 Cent

Ich bin keiner von denen, die den Preis von online verkaufter Musik so anhaltend bejammern. Ein Euro pro Song ist genauo willkürlich wie 20 Cent oder 3 Euro – Preisgestaltung ergibt sich nicht nur aus den Kosten, und es gibt kein Menschenrecht darauf, Musik billig zu kaufen.

Doch dass Online-Vertrieb eindeutig billiger ist als der Verkauf von Silberscheiben, hat jetzt der Radiohead-Manager Brian Message im NME deutlich gemacht: “We realised that by using the internet for the delivery of the album, we could reach 173 countries and it would cost us less than three cents a copy for distribution.”

Flexible Flatrate: Mehr Angebote bringen mehr Geld für Kultur und Medien

Was ist an folgendem Satz falsch: “Kultur und Medien brauchen eine Flatrate, also eine Gebühr, die pauschal die Nutzung von Musik, Film, Nachrichten im WWW abdeckt”? Viele würden sagen, der Inhalt als Ganzes ist falsch. Ich bin anderer Meinung: Ich sehe eine derartige Flatrate, die etwa der Internet-Provider mit seiner Gebühr einhebt, als einzige und faire Lösung, die gesellschaftlich und kulturell notwendige Entlohnung von Medien und Künstlern im Zeitalter der Online-Kopierbarkeit aufrecht zu erhalten.

Falsch ist meiner Meinung nach nur ein Wort daran: Ich glaube, dass es nicht eine, sondern ein ganzes Spektrum an Flatrate-Möglichkeiten geben soll, die der Kunde auswählen kann. Viele Argumente gegen derartige Flatrates – etwa, dass auch Konsumenten etwas zahlen, die den Internetzugang nur dienstlich verwenden – können entkräftet werden, wenn man das Angebot auffächert. Ein rudimentärer Vorschlag wäre ein dreistufiges Modell:

  • Das klassische Pauschal-Modell: Je nach Bandbreite des Internetzugangs werden monatlich ein paar Euro auf die Internetgebühr aufgeschlagen. Das Problem daran ist die Verteil-Gerechtigkeit, wie auch hier nachzulesen ist. Der Vorteil daran: Dem User sollte dann wirklich freistehen, unbeschränkt allen Content zu nutzen.
  • Das Data-Mining-Modell: Hier kann der User bestimmen, wie seine Pauschalgebühr aufgeteilt wird, indem er seine Nutzung transparent macht. Das wäre bei News schwer, bei Musik und Filmen recht leicht: Nach Vorbild etwa von Last.fm oder dem (noch sehr alpha-haften, aber offen lizensiertem) Nachahmer Libre.fm installiert man ein Plug-In im Medienplayer, das – anonymisiert – die Nutzungsdaten an die Abrechnungsstelle (etwa Verwertungsgesellschaften) liefert. Dort werden die Daten der User akkumuliert und die eingenommenen Pauschalen-Gelder dann anteilsmäßig verteilt. Problem sind berechtigte Datenschutzbedenken, da müsste eine vertrauenswürdige Anonymisierungs-Stelle zwischengeschaltet sein (und durchaus auch die Möglichkeit, die Nutzungsdaten-Erfassung gezielt auszuschalten, wenn man doch mal nicht widerstehen kann und sich geschwind ein Elton John-Lied zu Gemüte führt, denn das sollte wirklich niemand wissen). Dieses System würde auch eine weitere Kritik an Pauschalgebühren zumindest mindern: Dass eine pauschale Abgeltung den Wettbewerb unter den Content-Anbietern beenden würde.
  • Und den “Put Your Actions Where Your Mouth Is”-Zugang: Für all jene, die die Idee empört zurückweisen, den Musiklabels oder anderen $InsertNameOfCapitalisticEvilDoers Geld in den Rachen zu werfen (“ich höre keine schlechte Musik”), gibt es die Möglichkeit, gar keine Pauschalgebühr zu zahlen. Dann aber muss man auch dazu stehen: Wer diesen Zugang wählt und dennoch urheberrechtlich geschützten Content ohne zu zahlen nützt, sollte mit empfindlichen Strafen zu rechnen haben. Also, entweder man ist wirklich unbefleckt vom Bedürfnis, Britney Spears und Co zu hören. Oder man zahlt eben dafür.

Update: Eine Sammlung spannender Ideen und Ansätze zum Thema Flarate gibt es hier.

Musik-Filesharer sind keine Piraten… sondern Konformisten

Wer genug hat von der beidseitigen Propaganda im Streit um unlizensierte Musikdownloads, findet hier eine ausgewogene, wissenschaftliche Sicht der Dinge, die so manches in die richtige Perspektive rückt: Studien, die von beiden Seiten als Argumentationsfutter verwendet werden, werden hinterfragt, interessante Ansätze verfolgt.

Mit persönlich gehen die selbstgerechten Musikdateienkopierer ja genauso auf den Wecker wie klagswütige Starrköpfe, die die Chancen der Online-Verbreitung von Musik nicht erkennen wollen (obwohl die Anzahl letzterer meinem Eindruck nach eher am Schwinden ist). Obwohl im Wettstreit darum, wer sich lächerlicher macht, ja doch diejenigen gewinnen, die im Herunterladen von Popmusik soetwas wie heldenhaftes Einstehen für Informationsfreiheit sehen.

Nein, liebe Leute, man wird nicht der Maskenheld aus “V wie Vendetta”, wenn man Kunstwerke konsumiert, ohne den Künstler zu entlohnen. Ja, es gibt eine unglaubliche Ansammlung von Musikmüll, die keinen Cent wert ist. Wirklich subversiv wäre dann wohl aber, das Zeug einfach nicht anzuhören anstatt zu sagen: Ich saug mir das runter aber, ätsch, zahlen tu ich für so einen Scheiß nix. Wer so abhängig ist von Popmusikmüll, dass er das alles runtersaugen muss, ist kein Pirat, sondern ein Konformist.

Auch im immanenten Marktpartizipations-Versprechen jener, die etwas differenzierter an die Sache herangehen, nämlich im Versprechen, sich die Musik gratis herunterzuladen, dafür aber dann brav zu Konzerten zu gehen und T-Shirts zu erwerben und so den Künstler an den “bösen” Labels vorbei zu entlohnen, kann ich nichts revolutionäres erkennen, sondern allenfalls einen Mangel an Freiheit.

Ich weiß, ich brauch nicht blöd reden (kriege zahlreiche Promo-Cds und hab daher wahrlich keinen Musikmangel). Aber dennoch: Eigentlich befreit man sich von den Zwängen der “bösen” Musikindustrie am nachhaltigsten, wenn man denen zu verstehen gibt, dass einen schlechte Musik nicht interessiert. Auch nicht, wenn sie gratis zu bekommen ist.

Wie wäre es mit: Verzicht statt Datensammeln – und die Sachen, die es wert sind, kaufen, so wie man alles andere, das einem Freude macht, auch kauft.

Ich zahle mit Daten, nicht mit Euro

Abschiednehmen heißt es derzeit für mich von Last.fm, jenem Social Music-Dienst, der neben Wikipedia die wohl am meisten von mir genützte Web 2.0-Site wurde. Ab Dienstag wird nämlich das bisher gratis verwendbare Streaming-Service kostenpflichtig (außer in den USA, UK und Deutschland). Und obwohl ich heavy user war, werde ich nach einiger Überlegung diesen Schritt nicht mitgehen.

Dabei geht es weniger um jene 3 Euro, die das Service zukünftig im Monat kosten soll. Ich bin nicht kindisch oder ideologisch genug, um zu glauben, dass alles immer gratis sein muss.

Sondern es geht darum, dass die Betreiber schon bisher einiges von mir bekommen haben – und zwar die Daten darüber, was ich mir so anhöre. “Diese Daten helfen Last.fm dabei, Musik zu organisieren und an unsere Benutzer weiterzuempfehlen”, heißt es dazu in der FAQ. In Zukunft soll ich also meine Daten weiter an Last.fm geben, um Musik-Empfehlungen zu ermöglichen und auch zu bekommen, erhalte dafür aber im Austausch nicht mehr die Möglichkeit, Musik zu konsumieren. Und das ist dann doch leider ein schlechter Deal. Überzeugt vom Nutzen des Systems bin ich immer noch. Aber am Business Model müssen die nun ohne mich feilen.

Nachtrag: Last.fm hat die Umstellung auf kostenpflichtig nun verschoben – also auch ich den Abschied.

Flatrate für jede Art von Content

Viele Diskussionen auf der Musikmesse MIDEM in Cannes drehten sich um Finanzierung von Musik – von der Flatrate bis zu neuen, lukrativen Zugeständnissen an das Interesse der Fans, sich ihrem Star zu nähern.

Was fehlt? Das Bewusstsein, dass es in der Diskussion um Gratis-Online-Content und dessen künftiger Finanzierung nicht darum geht, eine Musiksuppe, eine News-Suppe, eine TV-Suppe zu kochen. Sondern dass immer klarer wird: Es wird nichts an einer möglichst verteilungsgerechten Pauschale für allen Online-Content herumführen.

Es geht nicht mehr darum, dem Musikbusiness Einnahmen zu verschaffen. Sondern ein altes System in eine zeitgemäße neue Form umzuwandeln.

Ich glaube: Man kann und sollte die Ergebnisse von qualitativem Journalismus, teuer produzierter Unterhaltung (Hollywood, HBO etc) und Popkultur frei kopierbar und zugänglich machen. Aber man sollte erkennen, dass dies für die Gesamtgesellschaft unbedingt notwendige Elemente sind. Und daher sollten alle gemeinsam sich finanziell beteiligen. Die Werbung darf ruhig bei massentauglichen weiter mitfinanzieren.

Riecht nach Steuer? Stimmt. Aber wenn ich schon Steuern für Bundesheer, sinnlose Straßentunnel, Pimperl-Fachhochschul-Studiengänge und viele andere Dinge, von denen ich nie irgendeinen Nutzen haben werde, zahle, dann wüsste ich lieber, dass mein Geld in gescheite Dinge investiert wird.

Nur: Es darf auf keinen Fall direkt der Staat sein, über den ein pauschal funktionierendes Content-Bezahlsystem läuft. Was wäre etwa mit einem System a la Last.fm – anonymisierte Daten der Mediennutzung, die auf möglichst vielen Computern erhoben werden und zu einem möglichst genauem Bild führen, welche Songs gehört, welche News-Items gelesen werden? Und dann anteilige Verteilung von zwei Dritteln des pauschal eingenommenen Geldes (auf Leermedien, Sat-Schüsseln, Internetzugänge, Radios, Fernseher) nach diesen Kriterien. Der Rest wird in Erstellungsförderungen (Fonds für junge Musiker, Journalistenausbildung, Preise, Stipendien) investiert.

Dem widersprechen: Datenschutzbedenken.

Werbung, wie sie mir Spaß macht

Neulich, auf der Musikmesse MIDEM: Werbematerial aushändigende Menschen mit weißen Overalls und der Aufschrift “It’s all about the sound”. Und was bekam man dann von denen in die Hand gedrückt?

Ohrstaberln.

Farewell, Richard Wright!

Thanks for your sounds. Pink Floyd were decades ahead of their times.