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E-Books vs. Papierbücher – Argumentationsfutter für die Gedankenfehler

Am Feedback auf die eignen Ablaichungen ist lustig, dass man erst draufkommt, wie viel Erklärungsbedarf es bei den eigenen Postings gibt – denn der Vergleich zwischen Papierbüchern und Vinyl war eigentlich genau gegenteilig gemeint. Immer mehr Leute, die Musik wirklich wichtig nehmen, spielen wieder LPs, so gut wie alle hochklassigen Veröffentlichungen gibts auch als LP und Plattenspieler sind sehr preisgünstig zu haben. Ich wollte damit sagen, dass das Buch nie sterben wird, so wenig wie die LP durch die CD ersetzt wurde.

Dennoch: Viele Argumente, die gegen E-Books gebracht werden, sind überholt (dass sie auch irrational sind, ist schön, finde ich – das zeigt wie wichtig den Menschen das Lesen ist). Das mit dem Flimmern hat vor fünf Jahren noch gestimmt, ist aber mittlerweile nur noch ein Vorurteil, da die Displays der E-Book-Reader ganz anders funktionieren als Computerbildschirme (mal abgesehen davon, dass ohnehin die meisten Menschen auch nach der Arbeit in ein flimmerndes Kastl schauen, ohne sich darüber zu beschweren). E-Ink-Displays flimmern nicht.

Ich glaube, es macht auch keinen großen Unterschied, ob man an den Strand neben ein bis zwei Handys, MP3-Player und Digicam auch noch statt des Papierbuches ein E-Book mitnimmt- deswegen gibt es auch nicht mehr Kabeln. Und wie viel praktischer ist es, statt zehn Zeitungen und fünf Büchern nur einen E-Book-Reader für den Urlaub einzupacken… da ist noch ein Ladegerät locker drinnen, oder die Hersteller schaffen es endlich, alle auf USB umzustellen. Bei mir gehen übrigens auch alle Bücher kaputt (die sind dann ganz süß wellig und picken zusammen), die ich in die Badewanne mitnehm…

Und so viel ich das beobachte, geht es den Zeitungen zumindest in den USA schon ordentlich schlecht – das Blöde ist, dass sowohl im Print- als auch im Online-Bereich die Werbeeinahmen zurückgehen. Warum, ist klar: Der Medienkonsum verändert sich grundlegend, und schafft so einen Teufelskreis – Online nimmt den Zeitungen Werbeeinnahmen weg, und andererseits verwenden die Leute auch im WWW dann andere Quellen als auf Papier. Blöde Geschichte, die sicher zum Teil dadurch begründet ist, dass es halt viel mehr Wege gibt, Nachrichten zu bekommen (und dass die Menschen ja auch überhaupt keinen Geschmack darin zeigen, wie sie sich über die Welt informieren – wenn ich in der U-Bahn sehe, was für Dreck die Leute in sich reinstopfen, wundert mich nichts mehr in Österreich).

Und eigentlich ist es auch egal, ob es Zeitungen weiter gibt, wie der New York Times-Herausgeber sagt: Große Nachrichtenlieferanten liefern Nachrichten und keine Zeitungen. Ebenso schreiben Autoren Texte und keine Bücher – oder? In welcher Form die erscheinen, ist meiner Meinung nach nebensächlich. Wir haben heute auch keine Pergamentrollen mehr.

Die wahren Probleme sehe ich darin, dass die Reader lächerlich teuer und noch dazu viel zu eingeschränkt sind, und dass die deutschsprachigen Verlage mal wieder alles verschlafen. Was ist so schwer daran, einen wachsenden Markt zu bedienen?

Naja, ich bin jedenfalls froh, dass ich meine Bibliothek zuhause von geschätzten 3.000 Büchern auf 500 reduziert habe. Sonja Harter hat recht, das Vernichten ist lustig gewesen – aber jetzt freu mich mich vor allem über den Platz, und räume lieber meine Festplatte mit Texten voll als mein Zimmer.

Gedankensammlung 2: IT-Berichterstattung wie sie ist, sein sollte und nicht sein sollte

[Erster Teil]

  • Microsoft-Bashing, Linux-Euphorie: Interessiert die Menschen nicht. Wer würde eine TV-Seite lesen wollen, die immer und immer wieder aufzählt, warum irgendein Fernsehsender (oder eine TV-Serie, oder ein Nachrichtensprecher…) besser ist als der andere? BItte, liebe IT-Journalisten, get over it! Ein Betriebssystem ist ein Betriebssystem. Zeit, weiterzudenken.
  • Technikverliebt: Ein Kulturjournalist, der nicht kritisch zwischen guten und schlechten Inszenierungen, Büchern, CDs etc. differnzieren kann, macht sich lächerlich. Ein IT-Journalist, der Computern, Gadgets oder Webseiten nichts anderes entgegenbringt als bewunderndes Staunen, auch.
  • Detail-Fetischismus:IT-Berichterstattung ist Wirkungs-Berichterstattung: Interessant ist nicht, wie etwas genau funktioniert und welche Treiber man updaten muss, sondern was sich dadurch ändert: Youtube hat den Medienkonsum geändert, Google den Umgang mit Information, und kleine Internettablets verändern potenziell die Art, wie man unterwegs vernetzt ist. Und genau da hört die IT-Berichterstattung derzeit auf. Aber sie müsste dort anfangen.
  • Kompetenz: Wer auf Youtube immer noch nur die Katzenvideos findet, hat die Plattform nicht verstanden. Und sollte nicht darüber schreiben.

[und nun zurück zu Anathem ;-)]