Bildung

Einspruch: Ein Foul in der Bildungsdebatte

Zugegeben, bei all’ dem Uni- und Studenten-Bashing kann man schon mal den Überblick verlieren. Dennoch erstaunt mich, dass sich die Studenten, ja überhaupt alle jungen Leute permanent und widerspruchslos ein Foul gefallen lassen, das derzeit immer wieder hinterrücks über die Bande gespielt und dann mit voller Wucht an ihnen verübt wird: Denn der Bildungsdebatte inhärent ist eine kontinuierliche Beleidung der derzeit jungen Generation. Und zwar von jenen, die ihr Rederecht eigentlich verwirkt haben sollten.

Es lässt sich summieren als die ewige alte Leier: das Niveau der heutigen Studenten sinkt und es studieren viele, die es nicht sollten, weil sie nicht gescheit genug sind. Das ist kurz gefasst der Subtext von Eingangsprüfungen und anderen Auslesesystemen für Studenten, die als Allheilmittel der Unimisere dargestellt werden. Darauf noch ein bisschen reaktionären Nonsens gegen Computer-Sucht gepackt, und wenn man als Intellektueller völlig daneben ist, konstantiert man schlussendlich noch einen Geburtenüberschuss bei den Dummen und kommt zum Ergebnis: das intellektuelle Niveau Österreichs wird immer schlechter.

Wie wir Briten sagen: Bollocks.

Liebe junge Menschen, lasst euch doch nicht so beleidigen. Sondern fragt zurück: Wo, bitte, sind denn die ganzen Super-Intellektuellen der Generation 60+? Damals, als die studierten, gab es noch Studiengebühren. Ergo muss damals an den Unis alles in Ordnung gewesen sein. Und? Wo sind in Österreich die wegweisenden Denker? Wo die Ausnahme-Politiker? Wo die kultivierten Bürger? Wo die moralischen Instanzen? Wo selbst die Facharbeiter? Mit welchem Recht sagt jene Generation der Österreicher, die dieses Land gegen die Wand gefahren hat, den heutigen Jungen, dass sie dumm sind?

Lasst euch nichts sagen. Ignoriert die ideologischen Scheingefechte um Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Studiert nicht nur das, was am Arbeitsmarkt verwertbar ist. Denn die Unis sind keine Stätte der Berufsausbildung, dafür sind – mehr recht als schlecht – die FHs da.

Und die Unis haben kein Budgetproblem. Sondern die Politik hat ein Problem mit dem Unibudget. Es gibt kein Naturgesetz und keine EU-Richtlinie, die verhindern, dass die Unis das Geld vom Staat kriegen, das sie brauchen. So, wie das Bundesheer, der Verwaltungsapparat und die Schulen. Das wäre sofort herzustellen. Wenn, ja wenn die Unis von der Politik als lebensnotwendig für Österreich erkannt würden. Nur das spielt’s halt nicht. Denn das Wohlergehen der Unis ist nicht nötig für das Wohlergehen irgendeiner Partei.