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Flexible Flatrate: Mehr Angebote bringen mehr Geld für Kultur und Medien

Was ist an folgendem Satz falsch: “Kultur und Medien brauchen eine Flatrate, also eine Gebühr, die pauschal die Nutzung von Musik, Film, Nachrichten im WWW abdeckt”? Viele würden sagen, der Inhalt als Ganzes ist falsch. Ich bin anderer Meinung: Ich sehe eine derartige Flatrate, die etwa der Internet-Provider mit seiner Gebühr einhebt, als einzige und faire Lösung, die gesellschaftlich und kulturell notwendige Entlohnung von Medien und Künstlern im Zeitalter der Online-Kopierbarkeit aufrecht zu erhalten.

Falsch ist meiner Meinung nach nur ein Wort daran: Ich glaube, dass es nicht eine, sondern ein ganzes Spektrum an Flatrate-Möglichkeiten geben soll, die der Kunde auswählen kann. Viele Argumente gegen derartige Flatrates – etwa, dass auch Konsumenten etwas zahlen, die den Internetzugang nur dienstlich verwenden – können entkräftet werden, wenn man das Angebot auffächert. Ein rudimentärer Vorschlag wäre ein dreistufiges Modell:

  • Das klassische Pauschal-Modell: Je nach Bandbreite des Internetzugangs werden monatlich ein paar Euro auf die Internetgebühr aufgeschlagen. Das Problem daran ist die Verteil-Gerechtigkeit, wie auch hier nachzulesen ist. Der Vorteil daran: Dem User sollte dann wirklich freistehen, unbeschränkt allen Content zu nutzen.
  • Das Data-Mining-Modell: Hier kann der User bestimmen, wie seine Pauschalgebühr aufgeteilt wird, indem er seine Nutzung transparent macht. Das wäre bei News schwer, bei Musik und Filmen recht leicht: Nach Vorbild etwa von Last.fm oder dem (noch sehr alpha-haften, aber offen lizensiertem) Nachahmer Libre.fm installiert man ein Plug-In im Medienplayer, das – anonymisiert – die Nutzungsdaten an die Abrechnungsstelle (etwa Verwertungsgesellschaften) liefert. Dort werden die Daten der User akkumuliert und die eingenommenen Pauschalen-Gelder dann anteilsmäßig verteilt. Problem sind berechtigte Datenschutzbedenken, da müsste eine vertrauenswürdige Anonymisierungs-Stelle zwischengeschaltet sein (und durchaus auch die Möglichkeit, die Nutzungsdaten-Erfassung gezielt auszuschalten, wenn man doch mal nicht widerstehen kann und sich geschwind ein Elton John-Lied zu Gemüte führt, denn das sollte wirklich niemand wissen). Dieses System würde auch eine weitere Kritik an Pauschalgebühren zumindest mindern: Dass eine pauschale Abgeltung den Wettbewerb unter den Content-Anbietern beenden würde.
  • Und den “Put Your Actions Where Your Mouth Is”-Zugang: Für all jene, die die Idee empört zurückweisen, den Musiklabels oder anderen $InsertNameOfCapitalisticEvilDoers Geld in den Rachen zu werfen (“ich höre keine schlechte Musik”), gibt es die Möglichkeit, gar keine Pauschalgebühr zu zahlen. Dann aber muss man auch dazu stehen: Wer diesen Zugang wählt und dennoch urheberrechtlich geschützten Content ohne zu zahlen nützt, sollte mit empfindlichen Strafen zu rechnen haben. Also, entweder man ist wirklich unbefleckt vom Bedürfnis, Britney Spears und Co zu hören. Oder man zahlt eben dafür.

Update: Eine Sammlung spannender Ideen und Ansätze zum Thema Flarate gibt es hier.