Poltiik

Die Piraten: Treffer und (nicht) versenkt

Ich geb’s gerne zu – ich bin fasziniert, auf latent gruselige Weise, so ein bisserl wie beim “Alien”-Schauen: Wunderschön zu beobachten ist derzeit die stille Effizienz, mit der das politische Establishment (ja, ich meine auch euch Grüne) zum Gegenschlag gegen einen Eindringling ausholt.

Der Ausgang scheint mir klar zu sein: Die Piraten werden von den Alliierten des Proporzgleichgewichtes versenkt werden. Politiker und die mindestens ebenso vorgestrigen Meinungsforscher wissen genau, wie man die Neuankömmlinge, die (noch) außerhalb der einzementierten Verwertungszusammenhänge von Politik stehen, kaputtschießt.

Vor allem, wenn diese Neuankömmlinge auch noch ziemlich alles tun, um sich selber zu versenken.

Fire at will:

  • Die Piraten sind doch nur eine Sammelpartei für politikverdrossene junge Männer. Treffer.
  • Die Piraten kennen sich doch nur mit einem Thema aus, im Gegensatz zu den anderen Parteien, die – wie die Politik der vergangenen 50 Jahre ja eindringlich gezeigt hat – Experten für eh alles sind. Treffer.
  • Die Piraten haben keine Struktur und sind basisdemokratische Träumer. Treffer.
  • Die Piraten haben – im! Gegensatz! zu! den! anderen! Parteien! – ein Problem mit dem rechten Rand. Treffer plus Eigentor.

Man kann gar nicht anfangen zu beschreiben, was für ein trübes Signal es für die Parteien und auch manche Kommentatoren ist, dass nicht einmal jetzt erkannt wird, dass das Internet vielleicht doch auch ein Thema ist, bei dem man versuchen könnte, eigene Kompetenzen zu entwickeln. Da schießt man lieber gemeinsam auf jene, die das aufzeigen – und gleich auch noch beweisen, dass man damit Wähler ansprechen kann.

Nur: auch wenn die Piraten nicht (mehr) da sind, das Thema Internet bleibt. Und ebenso der gewaltige, fast unermessliche, jedenfalls groteske Aufholbedarf, den die österreichische Politik in diesem Bereich hat.