Rant

Tipps für den Buch-Entzug – und Amazon-Bashing

Hier gibt es ein paar nette (und durchaus einfach selber herauszufindende) Möglichkeiten dafür, wie man seine Buchsammlung verkleinert. Nur einer lässt sich nicht so leicht erfüllen: Bücher online zu verkaufen. Zumindest bei Amazon. Denn man sollte nicht glauben, dass es (trotz offener Grenzen, EU-Mitgliedschaft, Nachbarlandigkeit) möglich ist, als Österreicher über das deutsche Amazon Marketplace Bücher zu verkaufen. Eine Antwort auf meine diesbezügliche Anfrage vom Amazon-Kundendienst: “Leider können wir derzeit unseren Zahlungsservice Amazon Payments nur für Verkäufer mit einer deutschen Bankverbindung”anbieten”.

Schön finde ich die Begründung: “[…] da sich noch kein einheitlicher internationaler Standard bei der Kontoüberprüfung, die Ihrer Sicherheit dient, etabliert hat”. heißt das

a) dass deutsche Konten sicherer sind als andere? (haha)

b) dass österreichische Banken nicht vertrauenswürdig sind? (würde sagen – nicht weniger oder mehr vertrauenswürdig als all die anderen kollabierenden Banken allüberall)

c) Kontoüberprüfung, die “ihrer Sicherheit dient” – aber Citibank und Co bieten sichere Konten?

Die Chuzpe vom Tag: “Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die Einrichtung eines deutschen Kontos in Betracht ziehen könnten, damit auch Sie von Amazon Payments profitieren können, und wir Sie bald als Anbieter bei Amazon.de Marketplace begrüßen dürfen.” – Bitte wie komme ich dazu?

Naja, nachdem ich wegen Renitenz auch bei Ebay schon lebenslang gesperrt bin, verkauf ich halt auch nix über Amazon.

Unbezahlbar

Seit zwei Jahren mit Vista kämpfen, weil es zwar ein Media Center hat und man den Computer daher wohl an den Fernseher anschließen können sollte, es aber immer noch keine Treiber für meine Grafikkarte gibt, die Dual-Bildschirme so wirklich unterstützen – ziemlich zeitraubend.

Seit zwei Wochen sich nicht nur mit den üblichen Schwierigkeiten (spontan wechselnde Auflösung, TV plötzlich als Hauptbildschirm) herumzuschlagen, sondern auch mit immer wieder minutenweise schwarzem Bildschirm – ziemlich entnervend.

Nach einer frustierten Neuinstallation von Vista (und starker Tendenz, endlich Linux draufzuhauen, aber das Media Center ist echt eine nette Sache) und ewigem Neueinstellen dann draufzukommen, dass das verfluchte Monitorkabel locker war – unbezahlbar.

Land der mangelnden Medienkompetenz

Eine deutsche Zeitung (Hinweise erbeten, habe das Zitat nicht mehr gefunden) hat einst geschrieben, Österreich sei das einzige europäische Land ohne nennenswerte Tageszeitung. Zu ergänzen ist: Österreich ist auch in der Medienkompetenz der breiten Öffentlichkeit noch lange nicht im 21. Jahrhundert angekommen: Zeitungskonsum auf Leberkäs-Semmerl-Niveau allüberall, und sowohl von Rezipienten- als auch von Medienmacher-Seite herrscht eine undurchdringliche Ignoranz gegenüber den Entwicklungen bei den neuen Medien (wo man, dementsprechend, ein gutes Jahrzehnt hinterherhinkt). Berichterstattung auf dem notwendigen Niveau über die wirklichen Medienfragen von heute (ja, da gehts um das WWW, den veränderten Medienkonsum, die Aufgaben und Chancen von Tageszeitungen und TV im Online-Zeitalter) muss man mit der Lupe suchen, und die Ahnungslosigkeit blüht ungehindert. Man liest im dumpfen Schweigen allmorgendlich, was vor der Haustür liegt.

Und so kommt es, dass – während international allüberall die Studenten der Medienwissenschaften als künftige Meinungsführer gesehen werden, die einen immer wichtiger werdenden Wirtschaftszweig vorantreiben werden – die heimischen Publizistik-Studenten als Schmarotzer, Titel-Erschleicher und künftige Arbeitslose diffamiert werden. Nein, ich habe nicht Publizistik studiert, und ja, an der Uni gibt es dort einige Probleme.

Dennoch: Die “disdain for knowledge, education, experience”, die die New York Times in einem Kommentar Sarah Palin zuschreibt, der Österreicher gegenüber dem Mediensektor ist erschütternd. Liebe Maturanten, lasst euch nicht abschrecken – geht Publizistik studieren, kommuniziert mit Technikern und Medienmenschen und bringt, bitte, irgendwann auch Österreich ins Licht der Medienwelt des 21. Jahrhunderts: Helft dabei, aus Boulevard-Süchtigen aktive Nachrichten-Suchende zu machen, schafft die Hörigkeit nach den immergleichen Meinungs-Medien aus der Welt, die in Familien vererbt werden wie Philharmoniker-Abos, und macht den Menschen klar: Gesunder Medienkonsum ist lebensnotwendig – und Kompetenzen darin, wie man an ausgewogene Information kommt, um sich in der Welt zurechtzufinden, werden immer wichtiger werden.