Swayze

Die Gerüchtemaschine: Spaßbremse für Web 2.0-Euphorie im Journalismus

Ha, ich erfülle zumindest eine jener Voraussetzungen, die Kollege Georg Holzer für die Journalisten der Gegenwart im Umfeld des Web 2.0 auflistet: Ich weiß, was RSS-Feeds sind, und lese sie auch! Dadurch bin ich für die großen Umwälzungen der Medienwelt offenbar zumindest teilweise gerüstet.

Meine Feed-Sammlung habe ich übrigens Gerüchtemaschine benannt, sozusagen als Spaßbremse in jener Euphorie, die technisch begabte Journalisten dadurch verspüren, dass sie sich in den Social Networks zu bewegen wissen und dies den unbedarften Kollegen unter die Nase reiben können. Denn (neben jenem Feed-Ordner, den ich “Real News” genannt habe und wo richtige Medien dahinterstecken): Echte Quelle für Nachrichten sind die meisten Sachen, die ich abonniert habe, natürlich keine.

Jüngstes Beispiel: Dank eines netten telefonischen Tipps konnte ich neben dem Warten auf die Salzburger Festspiel-Entscheidung monitoren, wie sich die falsche Nachricht vom Tod Patrick Swayzes durch Twitter etc. verbreitet. Ein US-Radiosender vergreift sich, kein nennenswertes Medium springt auf, aber die (Micro)-Blogs rennen heiß.

Man stelle sich das Gegenteil vor: Wenn ein großes Medienhaus eine Falschmeldung zum Tod des Schauspielers lanciert hätte und dann draufgekommen wäre, dass das nicht stimmt – die Online-Häme hätte keine Grenzen. Aber unter den nationalen und internationalen Medien-Websites, die ich während des kochenden Gerüchtes aufgesucht habe, ist nur eine aufgesprungen: die Bild-Zeitung. Auf dem Niveau möchte ich mich nicht einmal irrtümlich bewegen – daher nenne ich meine RSS-Feeds von Blogs weiter “Gerüchtemaschine”. Um mich permanent an die Vorbehalte zu erinnern, die man den selbst erstellten Info-Häppchen entgegenbringen muss.

Und ohne Vorbehalte konsumiere ich nur Medien, wo ich weiß, dass sie wie etwa die Deutsche Presseagentur agieren: Die hat in einer Nachricht an die Redaktionen geschrieben, dass sie das Gerücht vom Tod Swayzes erst überprüft, bevor es dazu möglicherweise Berichterstattung gibt. Und nicht umgekehrt.